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2. Oktober 2026 · 10 Min. Lesezeit

Overspeed-Training im Golf: Was Studien zu schnelleren Schlägern wirklich zeigen

Plus 2,6 mph im ersten Satz bei 12 Golfern, plus 1,5 mph bei 13, und danach kaum noch etwas: was Studien zu Overspeed-Stöcken zeigen und wie du es am Simulator prüfst.

Overspeed-Training im Golf: Was Studien zu schnelleren Schlägern wirklich zeigen — Beitragsbild

Overspeed-Training heisst, mit Stöcken zu schwingen, die leichter oder kaum schwerer sind als dein Driver, und zwar so schnell wie möglich. Zwei Hochschulstudien prüften es als Aufwärmen: Bei zwölf Golfern stieg die Schlägerkopfgeschwindigkeit im ersten Satz um 2,6 mph, bei dreizehn um 1,5 mph, und Körpergewichtsübungen wirkten gleich gut. Für das Training über Wochen habe ich keine Studie gefunden, die nur die Stöcke prüft, nur Zahlen der Anbieter. Dieser Beitrag zeigt, was gemessen wurde und wie du es selbst nachprüfst.

Was ist Overspeed-Training, und was ist ein Schwungtrainer?

Ein Schwungtrainer ist der Oberbegriff für Geräte, mit denen du ohne Ball schwingst. Der Beitrag Golf üben zu Hause ordnet ihn als Gerät ein. Overspeed-Training ist die Form für Tempo. In der Studie von Bliss und Kollegen gab es drei Stöcke. Der leichte war 20 % leichter als ein Herrendriver, der mittlere 10 % leichter, und der schwere hatte das Gewicht eines Drivers oder bis zu 5 % mehr (Bliss et al.).

Die Idee kommt aus Sportarten wie Baseball. Bliss und Kollegen schreiben, Overspeed-Training habe dort Beachtung gefunden und erlebe im Golf einen neuen Aufschwung. Ein Artikel des Titleist Performance Institute erklärt die Wirkung so: Das Training überliste das Gehirn, damit es seine eigene Bremse löst (TPI). Das ist eine Erklärung, kein Messwert. Gelesen am 2. Oktober 2026.

Was zwei Hochschulstudien gemessen haben

Hébert-Losier und Wardell von der Universität Waikato in Neuseeland liessen zwölf Golfer mit einer Vorgabe unter 3,0 fünf Serien mit je fünf Schwüngen mit dem eigenen Driver spielen, mit einem Aufwärmen mit SuperSpeed und ohne (Sports Biomechanics). Im ersten Satz stieg die Schlägerkopfgeschwindigkeit um 2,6 mph. Die Ballgeschwindigkeit änderte sich nicht, der Smash Factor wurde dadurch deutlich schlechter (Effektstärke d minus 0,82). Fast alle Veränderungen waren in den späteren Sätzen nicht mehr bedeutsam. Die Autoren schliessen: Am ersten Abschlag darfst du mehr Tempo erwarten, ab dem zweiten kaum noch.

Bliss, Livingstone und Tallent aus London testeten dreizehn Männer mit Vorgabe 1,0 (± 2,1) an drei Terminen im Abstand von sieben Tagen. Nach jedem Aufwärmen schlugen sie zehn Drives, gemessen mit TrackMan 4. Verglichen wurden ein Standard-Aufwärmen, eines mit schnellen Körpergewichtsübungen wie Sprüngen und eines mit den Stöcken. Das Stöcke-Programm: je zehn Schwünge mit dem leichten Stock auf der starken und der schwachen Seite, dazu zehn mit dem mittleren und zehn mit dem schweren auf der starken Seite, zusammen 40.

StudiePersonenGeprüftErgebnis
Hébert-Losier und Wardell12 Golfer, Vorgabe unter 3,0Aufwärmen mit SuperSpeed gegen KontrolleSchlägerkopf plus 2,6 mph im ersten Satz, Ballgeschwindigkeit unverändert, danach kaum noch Effekt
Bliss, Livingstone, Tallent13 Männer, Vorgabe 1,0Aufwärmen mit Stöcken gegen Körpergewichtsübungen gegen nichtsSchlägerkopf 110,1 mph ohne, 111,6 mph mit Stöcken und mit Übungen; Carry 261,5 yards ohne, 267,1 mit Übungen, 268,2 mit Stöcken

Zwei Dinge fallen auf. Erstens ist der Gewinn klein, und in beiden Studien stieg die Ballgeschwindigkeit nicht. In der Studie aus London war die Effektstärke für das Tempo 0,28, nach der Einordnung der Autoren klein. Ballgeschwindigkeit und Gesamtlänge unterschieden sich nicht, und die Stöcke scheinen gegenüber den Körpergewichtsübungen keinen zusätzlichen Nutzen zu bringen. Zweitens streut die Wirkung von Person zu Person: Ein Teilnehmer schlug mit den Stöcken 20 Yards weiter, ein anderer kam 9 Yards weniger weit (Carry).

Was die Übersichtsarbeiten sagen

Die Übersicht von Uthoff und Kollegen wertete 20 Studien zu Widerstandstraining im Golf aus (Journal of Strength and Conditioning Research). Genau eine Studie prüfte rein golfspezifisches Training, mit Medizinbällen. Zwei der sieben Studien mit kombinierten Programmen nutzten beschwerte Schläger, eine davon in einer sechswöchigen Phase eines Plans über 18 Wochen. Jermyn und Kollegen fanden zu beschwerten Geräten im Sport 25 Studien und halten fest, dass es im Golf kaum Forschung gibt (Jermyn et al.). Im Baseball sahen sie bei überschweren Schlägern wiederholt schlechtere Schlagleistung, darunter geringeres Schlägertempo und veränderte Schwungmuster.

Die grösste Übersicht stammt von Johansen und Kollegen: 33 Studien mit 798 Teilnehmenden, davon 26 mit Kontrollgruppe (Sports Medicine). Körperliches Training über mindestens vier Wochen steigerte in den kontrollierten Studien die Schlägerkopfgeschwindigkeit im Mittel um 1,05 m/s (95-Prozent-Intervall 0,39 bis 1,71) und den Carry um 9,33 m (5,12 bis 13,55). Die Autoren stuften die Sicherheit der Belege als niedrig ein. 1,05 m/s sind rund 2,3 mph. Das gilt für Training im Allgemeinen, Overspeed weist die Zusammenfassung nicht gesondert aus. Mehr dazu in Golf Fitness.

Und die Zahlen der Anbieter?

Der Hersteller SuperSpeed Golf nennt auf seiner Seite sechs Studien seines Forschungsleiters Tyler Standifird, laut der Seite Assistant Professor an der Utah Valley University und Director of Research for SuperSpeed (SuperSpeed Golf). Vier davon nennen für Overspeed-Training die Gruppengrösse (9 bis 15 Personen) und einen Gewinn von 4 bis 8 mph. Chris Finn von Par4Success, Physiotherapeut, nennt in einem TPI-Artikel eigene Studien über 6 und 8 Wochen mit rund 3 mph im Schnitt (TPI).

QuelleGruppe und DauerAngegebener Gewinn
SuperSpeed, Freizeitgolfer15 Personen, 6 Wochenplus 5 mph Schlägerkopf
SuperSpeed, Junioren von 6 bis 14 Jahren9 Kinder, 5 Wochenplus 8 mph
SuperSpeed, Freizeitgolfer mit durchschnittlich Handicap 15+11 Personen, 6 Wochenplus 4 mph
SuperSpeed, nur die schwache Seite10 Personen, 6 Wochenplus 6,4 mph
Par4Success im TPI-Artikeleigene Studien, 6 und 8 Wochenrund 3 mph im Schnitt

Diese Zahlen können stimmen. Die Studien des Forschungsleiters stammen aber vom Hersteller selbst. Auf der Seite steht nichts von einer Kontrollgruppe, und die Berichte hinter den Verweisen habe ich nicht gelesen. Eine Suche nach „SuperSpeed Golf“ in Europe PMC ergab am 2. Oktober 2026 genau einen Treffer, die Studie aus Neuseeland oben. Ohne Kontrollgruppe lässt sich nicht trennen, was der Stock bewirkt und was Übung und Motivation. Nimm die Zahlen als Hinweis, nicht als Beleg.

Wie oft und wie viel? Was die Quellen hergeben

Eine belegte Dosis gibt es nicht. Die Hochschulstudien prüften ein Aufwärmen, keinen Trainingsplan. Was die Quellen beschreiben, zeigt die Tabelle.

QuelleDosis
Bliss et al., Aufwärmen vor 10 Drivesje 10 Schwünge mit vier Stock-Varianten, zusammen 40
TPI-Artikel, übliche Protokolle im Golf3 Mal pro Woche, über das Jahr bis knapp 12'000 zusätzliche Schwünge
TPI-Artikel, zwei Studien von 2018 und 2019, auf die sich der Autor beruft30 Schwünge, nach je 10 Schwüngen 2 Minuten Pause, 2 Mal pro Woche; kein signifikanter Unterschied im Tempogewinn zum Programm mit mehr Schwüngen
Uthoff et al., Kraft mit golfspezifischen Bewegungen (kein Overspeed)8 Wochen, 3 bis 4 Sätze mit 5 bis 15 Wiederholungen

Zwei Hinweise für die Praxis. Der Effekt des Aufwärmens hielt in der Studie mit zwölf Golfern nur im ersten Satz an. Und für das Training mit den Stöcken über Wochen fand der TPI-Autor nach eigener Angabe keine Studie, die Verbesserungen über längere Zeit untersucht.

Welches Risiko ist belegt?

In den Zusammenfassungen der Studien, die ich gelesen habe, kommen Verletzungen als Ergebnis nicht vor. Das heisst nicht, dass es kein Risiko gibt, sondern dass diese Arbeiten es nicht gemessen haben. Aus dem Baseball weiss man, dass beschwerte Schläger Schwungmuster verändern können, im Golf ist das nach Jermyn und Kollegen kaum untersucht.

Aus der Praxis kommt eine Warnung, die eine Meinung ist und kein Studienergebnis. Der TPI-Autor schreibt, wer schneller werde, ohne Kraft und Leistung aufzubauen, erhöhe wahrscheinlich sein Verletzungsrisiko. Was die Studien zu Golfverletzungen und Vorbeugung sagen, steht in Golfverletzungen, das Aufwärmen in Golf und Rückenschmerzen. Bei Schmerzen gehört die Frage zu einer Fachperson.

Was das für dich heisst: ein Test mit deinen Zahlen

Erwarte keine zehn mph. Die Hochschulstudien fanden im Aufwärmen 1,5 und 2,6 mph, und Training im Allgemeinen brachte über Wochen im Mittel rund 2,3 mph bei grosser Unsicherheit. In der Studie aus London stiegen mit den Stöcken im Mittel die Schlägerkopfgeschwindigkeit um 1,5 mph und der Carry um 6,7 Yards, rund 6,1 Meter. Das ist der Mittelwert von dreizehn Männern mit Vorgabe um 1, kein Versprechen für dich.

So prüfst du es selbst, mit einem Launch Monitor. Schlage vorher zehn Drives mit demselben Driver in derselben Bay und schreibe den Mittelwert von Schlägerkopfgeschwindigkeit, Ballgeschwindigkeit und Smash Factor auf. Trainiere dann sechs Wochen, so lange dauerten die meisten Studien der Anbieter, und miss unter denselben Bedingungen nach. Zähle die Ballgeschwindigkeit mit, nicht nur das Tempo des Schlägers: In der Studie mit zwölf Golfern stieg das Tempo des Schlägers, nicht das des Balls, und der Smash Factor sank. Wie du die Werte liest, steht in Launch-Monitor-Zahlen verstehen, Richtwerte nach Handicap in Schlägerkopfgeschwindigkeit messen und erhöhen, und einen Plan mit einer Messung pro Woche zeigt Golf-Trainingsplan für den Winter.

Wo du messen und mit einem Pro arbeiten kannst

Messen kannst du dort, wo die Schläge gemessen werden: in einer Simulator-Bay. Das Verzeichnis führt 110 Indoor-Anlagen, 81 davon bieten Coaching an (Stand 2. Oktober 2026, eigene Einträge). Ein Pro mit Launch Monitor kann dir sagen, ob dein Problem Tempo oder Treffpunkt ist. Anlagen mit Coaching findest du unter Indoor-Golf-Training, den ersten Besuch erklärt Golfsimulator für Anfänger, die nächste Anlage zeigt Golfsimulator in der Nähe, alle nach Kanton die Karte.

Häufige Fragen

Bringt Overspeed-Training im Golf mehr Schlägerkopfgeschwindigkeit?

Als Aufwärmen ja: plus 2,6 mph bei 12 und plus 1,5 mph bei 13 Golfern, in der ersten Studie schon nach dem ersten Satz kaum noch. Für Training über Wochen habe ich keine Studie gefunden, die nur die Stöcke prüft. Die Herstellerzahlen von 4 bis 8 mph nennen auf der Seite keine Kontrollgruppe.

Wie lange hält die Wirkung eines Overspeed-Aufwärmens an?

In der Studie mit 12 Golfern stieg die Schlägerkopfgeschwindigkeit im ersten Satz mit fünf Schwüngen um 2,6 mph. Fast alle Veränderungen waren in den späteren Sätzen nicht mehr bedeutsam. Die Autoren sehen den Vorteil am ersten Abschlag, ab dem zweiten kaum noch.

Wie oft soll ich mit Overspeed-Stöcken trainieren?

Eine belegte Antwort gibt es nicht. Ein TPI-Artikel nennt als üblich 3 Mal pro Woche. Sein Autor nennt zwei Studien, in denen 30 Schwünge, 2 Mal pro Woche, keinen bedeutsam anderen Tempogewinn brachten als mehr Schwünge. Beides sind Angaben eines Praktikers, ich habe die Studien nicht gelesen.

Ist Overspeed-Training gefährlich?

Verletzungszahlen kommen in den Zusammenfassungen der Studien, die ich gelesen habe, nicht vor. Ein Physiotherapeut schreibt, wer schneller werde, ohne Kraft und Leistung aufzubauen, erhöhe wahrscheinlich sein Verletzungsrisiko. Das ist eine Einschätzung, kein Studienergebnis. Bei Schmerzen frag eine Fachperson.

Wie prüfe ich selbst, ob Overspeed bei mir wirkt?

Schlage vor dem Training zehn Drives mit demselben Driver am Simulator und notiere den Mittelwert von Schlägerkopfgeschwindigkeit, Ballgeschwindigkeit und Smash Factor. Miss nach sechs Wochen unter gleichen Bedingungen nach. Steigt nur das Tempo des Schlägers und nicht das des Balls, sinkt der Smash Factor, wie in der Studie mit 12 Golfern.

Quellen