18. September 2026 · 8 Min. Lesezeit
Launch-Monitor-Zahlen verstehen: Smash Factor, Launch Angle, Spin, Attack Angle und was normal ist
Nach dem ersten Schlag im Simulator stehen acht Zahlen auf dem Bildschirm, und die meisten schauen nur auf eine: die Distanz. Die anderen sieben erklären, warum sie so ist. Hier sind sie, mit den Werten der Tour zum Vergleich.

Der Simulator zeigt dir nach jedem Schlag eine Reihe von Zahlen. Die Distanz verstehen alle. Die anderen sind der Grund für die Distanz, und wer sie lesen kann, weiss nach zehn Schlägen mehr über seinen Schwung als nach einer Saison auf der Range. Hier sind die acht wichtigsten, in der Reihenfolge, in der sie entstehen, mit den Durchschnittswerten der PGA Tour und der LPGA Tour, die TrackMan publiziert.
1. Club Speed, die Schlägerkopfgeschwindigkeit
Die Geschwindigkeit des Schlägerkopfs kurz vor dem Treffmoment. PGA Tour 115 mph, LPGA Tour 96 mph, der durchschnittliche Golfer mit Handicap 14.5 94 mph (TrackMan). Die ganze Tabelle nach Handicap steht in Schlägerkopfgeschwindigkeit.
2. Ball Speed, die Ballgeschwindigkeit
Die Geschwindigkeit des Balls unmittelbar nach dem Verlassen der Schlagfläche. Sie ist die Zahl, die die Distanz am stärksten bestimmt. PGA Tour 171 mph, LPGA Tour 143 mph, Durchschnittsgolfer 133 mph (TrackMan). Ein mph mehr bringt laut TrackMan bis zu zwei Yards.
3. Smash Factor, der Wirkungsgrad
Ballgeschwindigkeit geteilt durch Schlägerkopfgeschwindigkeit. Die Zahl sagt, wie viel von deiner Energie im Ball ankommt. PGA Tour beim Driver 1.49, beim 6er-Eisen 1.39; mehr als rund 1.50 ist mit einem regelkonformen Driver nicht möglich (TrackMan). Ein Driver bei 1.40 zeigt einen Treffer weit ausserhalb der Mitte oder eine Schlagfläche, die quer zur Bahn steht. Das ist die erste Zahl, die du verbessern solltest, weil sie nichts kostet.
4. Launch Angle, der Abflugwinkel
Der Winkel, in dem der Ball zur Horizontalen startet. Er hängt vor allem vom Loft der Schlagfläche im Treffmoment ab. Für den Driver gilt: Wer langsamer schwingt, braucht mehr Abflugwinkel, um Carry zu bekommen. Ein zu flacher Start ist bei Amateuren häufiger als ein zu steiler.
5. Spin Rate, die Drehzahl
Umdrehungen pro Minute um die Rotationsachse des Balls, gleich nach dem Treffmoment. PGA Tour beim Driver 2'545 rpm, beim 6er-Eisen 6'204 rpm; LPGA Tour 2'506 und 5'904 (TrackMan). Mehr Loft und mehr Geschwindigkeit geben mehr Spin. Beim Driver frisst zu viel Spin Distanz, weil der Ball zu hoch steigt und steil landet; bei den Eisen ist Spin gewollt, weil er den Ball auf dem Grün hält.
6. Attack Angle, der Angriffswinkel
Ob der Schlägerkopf im Treffmoment nach oben oder nach unten unterwegs ist. Mit dem Eisen negativ, weil du den Ball vor dem Boden triffst. Mit dem Driver darf er positiv sein, weil der Ball auf dem Tee liegt: Nach oben getroffen startet er höher mit weniger Spin und fliegt weiter. Das ist der Grund, warum derselbe Schwung auf dem Tee mehr Distanz bringt als vom Boden.
7. Face Angle und Club Path, Schlagfläche und Schwungbahn
Wohin die Schlagfläche im Treffmoment zeigt, und in welche Richtung sich der Schläger bewegt, beides relativ zur Ziellinie. Der Ball startet vor allem dorthin, wo die Schlagfläche zeigt, und kurvt weg von der Bahn zur Schlagfläche hin. Die Differenz heisst Face to Path; bei null fliegt der Ball gerade. Was ein Slice in diesen Zahlen ist und wie du ihn liest, steht in Slice korrigieren.
8. Carry, die Flugweite
Wie weit der Ball fliegt, bevor er den Boden berührt. Nicht die Gesamtlänge mit Rollen, sondern der Flug. Das ist die Zahl, die du für jeden Schläger kennen solltest, weil sie entscheidet, ob du ein Wasserhindernis überfliegst oder nicht. Auf der Range schätzt du sie. Im Simulator misst du sie, und zwar ohne Wind und ohne Gefälle, also als ehrliche Zahl deines Schwungs.
Die Tour-Werte nebeneinander
Vier der acht Zahlen publiziert TrackMan für beide Touren und für beide Enden der Tasche, den Driver und das Eisen 6. Ballgeschwindigkeit und Smash Factor stehen oben in ihren Abschnitten, weil es sie nur für den Driver gibt.
| Zahl | PGA Driver | PGA Eisen 6 | LPGA Driver | LPGA Eisen 6 |
|---|---|---|---|---|
| Club Speed | 115 mph | 94 mph | 96 mph | 80 mph |
| Launch Angle | 10.4 Grad | 14.0 Grad | 12.6 Grad | 16.7 Grad |
| Spin Rate | 2'545 rpm | 6'204 rpm | 2'506 rpm | 5'904 rpm |
| Attack Angle | minus 0.9 Grad | minus 3.7 Grad | plus 2.8 Grad | minus 2.3 Grad |
Die Zahlen stammen von TrackMan (Launch Angle, Attack Angle). Zwei Zeilen darin sind lehrreicher als der Rest. Erstens der Attack Angle beim Driver: Die Frauen treffen ihn mit plus 2.8 Grad aufwärts, die Männer mit minus 0.9 abwärts, und trotzdem starten die Frauen höher. Wer weniger Tempo hat, holt sich Carry über den Winkel. Zweitens der Spin beim Eisen 6, gut das Zweieinhalbfache des Drivers: Beim Eisen ist Spin das Ziel, beim Driver der Feind.
Und ein Vergleich, der ernst macht: Der durchschnittliche Golfer mit Handicap 14.5 schwingt den Driver mit 94 mph, genau so schnell wie ein PGA-Profi sein Eisen 6.
Vom Problem zur Zahl
Auf dem Platz merkst du das Symptom, auf dem Bildschirm steht die Ursache. Die Übersetzung:
| Was du siehst | Welche Zahl du anschaust | Was sie meist zeigt |
|---|---|---|
| Der Ball fliegt zu kurz | Smash Factor, dann Club Speed | Treffer ausserhalb der Mitte, bevor es am Tempo liegt |
| Der Ball geht nach rechts weg | Face to Path | Die Schlagfläche steht offen zur Bahn |
| Der Driver steigt und fällt senkrecht | Spin Rate, Attack Angle | Zu viel Spin, meist durch einen abwärts gerichteten Treffer |
| Der Ball bleibt nicht auf dem Grün | Spin Rate des Eisens | Zu wenig Spin, oft durch einen dünnen Treffer |
| Die Eisen fliegen mal 130, mal 150 | Streuung der Ballgeschwindigkeit | Der Treffpunkt wandert auf der Schlagfläche |
| Hohe Bälle ohne Länge | Launch Angle mit Spin zusammen | Zu viel Loft im Treffmoment |
Die Reihenfolge ist kein Zufall. Fast jedes Distanzproblem ist zuerst ein Treffpunktproblem, und der Smash Factor ist die einzige Zahl, die den Treffpunkt in einem Wert zusammenfasst. Deshalb steht er in jeder Diagnose vorn.
Wie du damit trainierst
- Eine Zahl pro Session. Wer alle acht gleichzeitig verbessern will, verbessert keine. Erst der Smash Factor, dann der Abflugwinkel, dann der Rest.
- Der Durchschnitt, nicht der beste Schlag. Zehn Schläge, und dann die mittlere Zahl. Der beste Schlag lügt.
- Die Carry-Tabelle. Jeden Schläger zehnmal, den Durchschnitt notieren. Eine Stunde, und du weisst für die ganze Saison, welches Eisen 140 Meter fliegt.
- Ein Pro für die Deutung. Die Zahlen sagen, was passiert. Was du dagegen tust, sagt jemand, der tausend solche Bildschirme gesehen hat. 81 der 110 Anlagen bieten Coaching an; die Trainingsseite listet sie.
Die Stunde, die deine Carry-Tabelle schreibt
Von allem, was ein Launch Monitor kann, ist dies das Nützlichste, und es dauert eine Stunde. Nimm jeden zweiten Schläger, schlag zehn Bälle, notiere den mittleren Carry und die Breite der Streuung. Danach hast du eine Tabelle, die eine Saison lang gilt:
Sechs Schläger genügen für die ganze Tasche, weil die Lücken dazwischen sich rechnen lassen: Driver, Holz 5 oder Hybrid, Eisen 7, Eisen 9, Pitching Wedge und das Sand Wedge mit halbem Schwung. Notiere pro Schläger drei Dinge: den mittleren Carry, die Breite der Streuung von links nach rechts, und eine Bemerkung, wenn etwas auffällt, etwa dass jeder dritte Ball dünn kommt.
Drei Regeln dazu. Erstens zählt der Mittelwert, nicht der beste Schlag: Auf dem Platz wählst du den Schläger für den Schlag, den du meistens machst. Zweitens interessiert der Carry, nicht die Gesamtlänge, weil der Bunker vor dem Grün nicht weiss, wie weit dein Ball rollen würde. Drittens gehört die Streuung dazu: Wer weiss, dass er 25 Meter streut, zielt neben die Fahne und spielt plötzlich Pars.
Mehr dazu: Driver-Abschlag für Anfänger, Welcher Schläger für welchen Schlag?.
Was die Zahlen nicht sagen
Ein Launch Monitor misst den Schlag, nicht das Spiel. Er kennt keine Lage im Rough, kein Gefälle unter den Füssen, keinen Wind, der dreht, und keine Gruppe, die wartet. Er sagt auch nicht, was du ändern sollst: Die Zahl ist die Wirkung, die Ursache steht im Schwung, und dort sieht sie jemand, der viele davon gesehen hat.
Zwei Fehler kosten Abende. Der erste ist, eine Zahl nach drei Schlägen zu glauben; zehn sind das Minimum, und der Median ist ehrlicher als der Durchschnitt, weil ein verzogener Ball ihn nicht verzieht. Der zweite ist, an mehreren Zahlen gleichzeitig zu arbeiten. Nimm eine pro Abend, schreib sie auf, und vergleiche sie beim nächsten Mal mit derselben Zahl, nicht mit dem Gefühl von heute.
Ob eine Anlage mit Radar oder mit Kameras misst, ist für diese Zahlen nebensächlich; die Unterschiede erklärt Radar oder Kamera. Wichtig ist, dass du sie bekommst. Welche Anlage in deiner Nähe sie liefert, zeigt die Karte. Was ein tragbares Gerät für den Heimgebrauch davon liefert, steht in Tragbare Launch Monitors, und welche Zahl auf dem Platz Schläge spart, in Strokes Gained für Amateure.
Häufige Fragen
Was ist ein guter Smash Factor?
Beim Driver liegt die PGA Tour bei 1.49, das Maximum bei rund 1.50; beim 6er-Eisen bei 1.39, weil mehr Loft den Wert senkt. Ein Driver deutlich unter 1.45 zeigt meist einen Treffer ausserhalb der Mitte.
Wie viel Spin sollte der Driver haben?
Die PGA Tour liegt im Schnitt bei 2'545 rpm, die LPGA Tour bei 2'506. Wer deutlich darüber liegt, verliert Distanz, weil der Ball zu hoch steigt; der Angriffswinkel und der Loft sind die beiden Stellschrauben.
Was ist der Unterschied zwischen Carry und Gesamtlänge?
Carry ist der Flug bis zum ersten Bodenkontakt, die Gesamtlänge der Flug plus das Rollen. Für die Schlägerwahl zählt der Carry, weil er entscheidet, ob du ein Hindernis überfliegst.
Welche Werte erreicht die PGA Tour mit dem Driver?
Nach den Tour-Durchschnitten von TrackMan: 115 mph Schlägerkopfgeschwindigkeit, 171 mph Ballgeschwindigkeit, Smash Factor 1.49, 10.4 Grad Abflugwinkel, 2'545 rpm Spin und ein Angriffswinkel von minus 0.9 Grad. Auf der LPGA Tour sind es 96 mph, 143 mph, 12.6 Grad, 2'506 rpm und plus 2.8 Grad.
Wie viele Schläge brauche ich für eine belastbare Zahl?
Zehn mit demselben Schläger, und dann der mittlere Wert. Drei Schläge zeigen den Zufall, zehn zeigen dich. Notiere zusätzlich die Streuung: Sie sagt auf dem Platz mehr als der Mittelwert.
Quellen
- TrackMan: What is Club Speed? (Tour- und Amateurdurchschnitte)
- TrackMan: What is Ball Speed? (171 und 143 mph auf der Tour, 133 mph beim Durchschnittsgolfer)
- TrackMan: What is Smash Factor? (1.49 Driver, 1.39 6er-Eisen, Maximum um 1.50)
- TrackMan: What is Spin Rate? (2'545 und 6'204 rpm PGA Tour, 2'506 und 5'904 rpm LPGA Tour)
- TrackMan: What is Face-to-Path? (der Ball startet nahe der Schlagfläche und kurvt weg von der Bahn)