17. September 2026 · 8 Min. Lesezeit
Radar oder Kamera: wie ein Golfsimulator den Ball misst und was das für dich heisst
Hinter jedem Simulator steckt ein Launch Monitor, und es gibt zwei Arten, den Ball zu erfassen. Beide sind gut. Aber sie sind nicht gleich, und der Unterschied entscheidet, wofür sich eine Anlage eignet.

Die Leinwand ist nicht der Simulator. Der Simulator ist das Gerät daneben oder dahinter, das in den ersten Zentimetern nach dem Treffmoment entscheidet, wohin der Ball auf der Leinwand fliegt: der Launch Monitor. Es gibt zwei Bauarten, und wer versteht, wie sie arbeiten, versteht auch, warum manche Anlagen für Fitting berühmt sind und andere für lange Abende mit Freunden.
Radar: TrackMan und FlightScope
Ein Radarsystem steht hinter dir und sendet Mikrowellen in Flugrichtung. Der Ball reflektiert sie, und aus der Frequenzverschiebung (dem Doppler-Effekt) berechnet das Gerät Geschwindigkeit und Richtung, viele Male pro Sekunde. TrackMan 4 arbeitet mit zwei Radareinheiten unterschiedlicher Frequenz: eine für den Schläger, eine für den Ball. Draussen verfolgt das Radar den gesamten Flug bis zur Landung. Das ist der Grund, warum die Tour damit misst.
Drinnen fliegt der Ball vier Meter, dann trifft er die Leinwand. Das Radar sieht also nur den Anfang und rechnet den Rest hoch. Das funktioniert gut, wenn das Gerät genug Platz hat: TrackMan braucht Abstand hinter dem Ball und Raum vor dem Ball, damit es den Flug lange genug sieht. Eine gängige Faustregel aus dem Handel nennt für den TrackMan 4 rund fünf Meter Tiefe. In grossen Bays ist das kein Problem; in einem kleinen Raum wird es eines.
Kamera: Foresight, Uneekor, Full Swing
Ein Kamerasystem steht neben dem Ball oder hängt über ihm und fotografiert den Treffmoment mit mehreren Hochgeschwindigkeitskameras, tausende Bilder pro Sekunde. Aus den Bildern liest es die Geschwindigkeit, den Abflugwinkel, die Drehung und die Rotationsachse direkt ab. Es braucht keinen Flug, nur den ersten halben Meter. Deshalb ist es drinnen genauso genau wie draussen und deshalb steht in fast jedem Fitting-Studio ein Foresight.
Der Preis dafür: Kameras sehen den Ball, nicht den Flug. Was der Ball 200 Meter weiter tut, ist bei beiden Systemen Rechnung, aber die Kamera hat dafür die vollständigen Startwerte, das Radar die ersten Meter der Wirklichkeit. In der Praxis liegen beide bei Carry-Distanzen so nah beieinander, dass du den Unterschied auf dem Platz nicht bemerkst.
Wie der Spin zustande kommt
Der interessanteste Unterschied liegt nicht beim Tempo, sondern beim Spin, und er erklärt fast alles andere. Eine Kamera liest die Drehung direkt vom Ball ab: Sie fotografiert das Dimple-Muster mehrmals hintereinander und vergleicht, wie es sich gedreht hat. Foresight nennt das Verfahren sphärische Korrelation (foresightsports.eu). Dazu braucht es keinen Flug, nur zwei scharfe Bilder.
Ein Radar misst den Spin am Flug. Draussen hat es dazu Hunderte Meter Zeit. Drinnen hat es vier, und das reicht nicht für eine saubere Rechnung; im Indoor-Modus leitet es Spin und Spinachse deshalb aus dem ab, was es sicher sieht, vor allem aus dem Schläger und dem Treffmoment. Das ist kein Mangel, sondern eine andere Reihenfolge: Die Kamera misst den Spin und rechnet den Flug, das Radar misst den Flug und rechnet den Spin.
Für dich heisst das: In einer kleinen Bay mit Radar sind Ballgeschwindigkeit, Startwinkel und Richtung belastbar, die Spinzahl ist ein Modell. Willst du an der Spinrate arbeiten, etwa weil die Eisen zu flach fliegen oder der Driver zu viel Auftrieb hat, such eine Anlage mit Kamerasystem oder eine Bay, die dem Radar genug Tiefe lässt.
Was beide messen
Die Sprache der Zahlen ist bei allen gleich. Für den Ball: Geschwindigkeit, Abflugwinkel, Richtung, Spin und Spinachse; daraus Carry, Gesamtlänge, Höhe und Seitenabweichung. Für den Schläger, sofern das System ihn erfasst: Schlägerkopfgeschwindigkeit, Angriffswinkel, Schwungbahn, Schlagflächenstellung und der Smash Factor, das Verhältnis von Ball- zu Schlägergeschwindigkeit. Ein guter Eisenschlag liegt beim Smash Factor um 1.35, ein guter Driver um 1.48. Wer diese fünf Schlägerwerte lesen kann, braucht keinen Videoanalysten mehr, um zu wissen, warum der Ball nach rechts geht.
Die Zahlen auf dem Bildschirm, übersetzt
| Zahl | Was sie misst | Wofür du sie brauchst |
|---|---|---|
| Ballgeschwindigkeit | Tempo des Balls direkt nach dem Treffer | Die Länge steckt fast ganz hier drin |
| Startwinkel | Winkel, in dem der Ball abhebt | Zu flach: kein Carry. Zu steil: keine Länge |
| Spin | Umdrehungen pro Minute | Hält den Ball oben oder lässt ihn fallen |
| Spinachse | Neigung der Drehachse | Die eigentliche Ursache von Slice und Hook |
| Carry | Flugweite bis zum ersten Bodenkontakt | Die einzige Zahl, mit der du den Schläger wählst |
| Gesamtlänge | Carry plus Rollen, berechnet | Hängt vom angenommenen Boden ab, also mit Vorsicht |
| Seitenabweichung | Abstand zur Ziellinie am Ende | Deine Streuung, die wichtigste Zahl für den Platz |
| Schlägerkopfgeschwindigkeit | Tempo des Schlägers vor dem Treffer | Dein Potenzial, langsam veränderbar |
| Angriffswinkel | Auf- oder abwärts im Treffmoment | Driver aufwärts, Eisen abwärts |
| Schwungbahn | Richtung des Schlägers durch den Ball | Zusammen mit der Schlagfläche die Kurve |
| Schlagflächenstellung | Offen oder geschlossen zum Ziel | Bestimmt die Startrichtung zu rund drei Vierteln |
| Smash Factor | Ballgeschwindigkeit geteilt durch Schlägergeschwindigkeit | Wie zentral du triffst |
Wer die Tabelle einmal gelesen hat, braucht sie nicht mehr: Auf dem Platz zählen Carry und Seitenabweichung, alles andere sind Gründe.
Was in der Schweiz steht
Von den 110 Indoor-Anlagen in unserem Verzeichnis nennen 78 TrackMan als System (über alle 126 Anlagen sind es 83; die fünf grossen Hersteller im Vergleich stehen in TrackMan, Foresight, Uneekor, Full Swing und Golfzon), also 71 Prozent. Danach folgen Foresight Sports mit 7 Anlagen, Uneekor und Full Swing mit je 4, SkyTrak und TruGolf mit je 3. Die Software, in der du spielst, ist eine andere Frage: TrackMan Virtual Golf gehört zum System, viele andere Anlagen laufen mit GSPro oder E6 Connect, in denen dieselben Plätze liegen. Die Technikseiten listen jede Anlage nach System: TrackMan, Foresight, Uneekor, Full Swing.
Warum zwei Anlagen verschiedene Zahlen zeigen
Derselbe Schlag, zwei Anlagen, zehn Meter Unterschied: Das passiert, und es liegt selten am Gerät allein.
- Der Ball. Ein weicher Premiumball dreht schneller als ein harter Rangeball und fliegt anders. Wer seine Zahlen vergleichen will, bringt beide Male denselben Ball mit.
- Die Umgebung in der Software. Höhe über Meer, Temperatur und Luftdruck stehen als Einstellung im Programm. Auf 1'500 Metern fliegt derselbe Ball weiter als auf 400, und beides kann in derselben Bay eingestellt sein.
- Die Matte. Ein Schläger rutscht über eine Matte, statt in den Boden zu schneiden. Der Angriffswinkel fällt deshalb indoor oft flacher aus als auf Gras.
- Die Rechnung nach dem Flug. Carry ist gemessen oder eng gerechnet, die Gesamtlänge unterstellt einen Boden, den niemand gesehen hat. Vergleiche Carry-Werte, nie Gesamtlängen.
Die praktische Regel: Vergleiche dich mit dir selbst, in derselben Anlage, mit demselben Ball. Eine Zahl ist dann nützlich, wenn sie sich über Wochen bewegt, nicht wenn sie höher ist als die vom letzten Mal woanders.
Worauf du beim Buchen achtest
- Fürs Fitting oder für Schlägerdaten: ein Kamerasystem oder ein TrackMan in einer grossen Bay. Frag, ob das System Schlägerdaten liefert; nicht jedes Einstiegsgerät tut das.
- Fürs Training mit Zahlen: beides. Wichtiger ist, dass du deine Zahlen exportieren oder speichern kannst. TrackMan speichert sie im eigenen Konto, andere Systeme je nach Software.
- Für Runden mit Freunden: das System ist egal, der Raum nicht. Eine breite Bay, eine grosse Leinwand und ein gutes Putting-System machen den Abend.
- Für Linkshänder: Radar hinter dem Ball ist egal, Kamerasysteme neben dem Ball müssen umgestellt werden. Die meisten Anlagen können das; frag vorher.
Drei Zahlen, eine Stunde
Wer das erste Mal mit Daten übt, ertrinkt in ihnen. Eine Stunde, drei Zahlen, und der Abend hat ein Ergebnis:
- Carry mit dem Eisen 7, zehn Bälle. Notiere nicht den längsten, sondern den mittleren. Das ist die Zahl, mit der du auf dem Platz den Schläger wählst; der längste Schlag des Abends wählt ihn falsch.
- Seitenabweichung, dieselben zehn Bälle. Wie breit ist dein Streufeld, in Metern? Wer weiss, dass er 20 Meter streut, zielt auf dem Platz anders, nämlich weg vom Wasser.
- Smash Factor, fünf Bälle mit halbem Schwung. Er steigt fast immer, wenn du langsamer schwingst. Das ist die schnellste Lektion, die ein Launch Monitor gibt: zentral getroffen ist länger als hart geschlagen.
Beim nächsten Mal dieselben drei Zahlen, dieselbe Anlage. Dann hast du eine Kurve statt eines Gefühls. Wo du dafür eine Bay findest, steht auf der Trainingsseite.
Und zur häufigsten Frage, ob die Zahlen stimmen: Beide Bauarten messen den Ball genauer, als du ihn schlägst. Die Streuung, die du siehst, ist deine. Was gemessen und was gerechnet ist, und wie du eine Bay prüfst, steht in Wie genau misst ein Golfsimulator. Das ist der Grund, warum das Gerät hilft.
Welche Anlage in deiner Nähe welches System hat, steht auf der Karte; der Vergleich fasst die Systeme mit ihren Stärken zusammen.
Häufige Fragen
Ist Radar oder Kamera genauer?
Drinnen sind beide genauer, als du den Ball schlägst. Kamerasysteme fotografieren den Treffmoment und brauchen keinen Flug; Radar sieht die ersten Meter und rechnet hoch, was mit genug Raum sehr gut funktioniert.
Welches System steht am häufigsten in der Schweiz?
TrackMan: 78 der 110 Indoor-Anlagen nennen es als System. Danach folgen Foresight Sports mit 7, Uneekor und Full Swing mit je 4.
Was ist der Smash Factor?
Das Verhältnis von Ballgeschwindigkeit zu Schlägerkopfgeschwindigkeit. Ein sauber getroffener Driver liegt um 1.48, ein Eisen um 1.35; ein tieferer Wert zeigt einen Treffer ausserhalb der Mitte.
Misst ein Radar drinnen den Spin wirklich?
Nicht auf dieselbe Weise wie draussen. Im Raum fliegt der Ball vier Meter, und das genügt einem Radar nicht, um Spin und Spinachse aus dem Flug zu rechnen; es leitet beide aus Schläger und Treffmoment ab. Ballgeschwindigkeit, Startwinkel und Richtung bleiben belastbar. Ein Kamerasystem liest die Drehung direkt am Dimple-Muster ab.
Warum zeigt jede Anlage andere Zahlen?
Meist wegen vier Dingen: dem Ball (Premium dreht anders als Range), der eingestellten Höhe und Temperatur in der Software, der Matte, die den Angriffswinkel flacher macht, und der Gesamtlänge, die einen Boden unterstellt. Vergleiche deshalb Carry-Werte und dich mit dir selbst, in derselben Anlage.
Quellen
- Foresight Sports Europe: Different types of launch monitor (Radar und photometrische Kameras im Vergleich, aus Herstellersicht)
- PlayBetter: Camera-based or Doppler radar? (Funktionsweise beider Bauarten, TrackMan 4 mit zwei Radareinheiten)
- Best Golf Simulator: Golf Simulator Cost 2026 (Raumbedarf: rund 16 Fuss Tiefe für TrackMan 4, 12 bis 15 Fuss für Kamerasysteme)
- golfsimulators.ch: Technik (78 von 110 Anlagen mit TrackMan, Stand 17. September 2026)