27. September 2026 · 6 Min. Lesezeit
Tragbare Launch Monitors: was ein Gerät unter CHF 1'000 kann
Für rund CHF 600 gibt es Geräte, die Ballgeschwindigkeit und Schlägerdaten messen. Der Haken steht im Handbuch: Platz und Spezialbälle.

Ein Launch Monitor für den Heimgebrauch kostet heute so viel wie ein Driver. Die Frage ist nicht mehr, ob das Gerät etwas messen kann, sondern welche Zahlen es wirklich messt und welche es rechnet. Die Antwort steht bei beiden Herstellern in den eigenen Unterlagen, und sie ist ehrlicher, als die Werbung vermuten lässt.
Zwei Geräte, eine Preisklasse
Das Garmin Approach R10 kostet in der Schweiz CHF 599.90 (Golfers Paradise), das Rapsodo MLM2PRO wird beim Hersteller mit USD 599.99 geführt (Rapsodo). Nebeneinander sehen sie so aus:
| Garmin Approach R10 | Rapsodo MLM2PRO | |
|---|---|---|
| Technik | Radar | zwei Kameras und Radar |
| Preis | CHF 599.90 | USD 599.99 |
| Zahlen | mehr als 15 Ball- und Schlägerwerte | 15, davon 8 direkt gemessen |
| Spin indoor | nur mit Titleist RCT-Bällen | nur mit RPT-Bällen |
| Platz nach vorn | mindestens 8 Fuss bis zum Netz | mindestens 8 Fuss bis zum Netz |
| Platz nach hinten | 6 bis 8 Fuss hinter dem Tee | 6,5 bis 8,5 Fuss hinter dem Ball |
| Abo | keines nötig für die Messung | Premium für Simulation, 45 Tage Test |
Der wichtigste Unterschied steht in der ersten Zeile. Das R10 arbeitet mit Radar, das MLM2PRO mit zwei Kameras plus Radar, und daraus folgt der Rest der Tabelle.
Gemessen oder gerechnet
Rapsodo nennt acht direkt gemessene Werte: Ballgeschwindigkeit, Startrichtung, Schlägergeschwindigkeit, Abflugwinkel, Spinrate, Spinachse, Schwungbahn und Angriffswinkel. Smash Factor, Gesamt- und Carry-Distanz, Seitenabweichung, Landewinkel, Scheitelhöhe und Schlagform werden daraus gerechnet (Rapsodo).
Garmin beschreibt für das R10 mehr als 15 Ball- und Schlägerwerte und sagt, dass es Schlägergeschwindigkeit und Schwungbahn am Kopf messt, weil dort das stärkste Signal zurückkommt (Garmin). Beim Spin wird es genauer und wichtiger.
Der Spin ist der Haken
Draussen messt ein Radar den Gesamtspin und rechnet die Spinachse aus dem Flug. Drinnen fehlt der Flug: Dann messt es den Gesamtspin nur, wenn du Titleist RCT-Bälle spielst, und leitet die Spinachse aus Startrichtung und Schwungbahn ab (Garmin). Rapsodo formuliert es noch kürzer: Bälle mit RPT sind nötig, um Spinzahlen zu zeigen.
Das heisst: Wer indoor Spin sehen will, kauft dazu Spezialbälle. Ohne sie bleibt die Spinzahl ein Modell, und genau daran hängen Carry und Flughöhe. Warum das systematisch so ist, steht in Radar oder Kamera.
Der Platz, den niemand einrechnet
Garmins Handbuch ist eindeutig: Das Tee muss indoor mindestens 8 Fuss, also 2,4 Meter, vom Netz entfernt sein, und das Gerät liegt 6 bis 8 Fuss, also 1,8 bis 2,4 Meter, hinter dem Tee (Garmin, Handbuch). Rapsodo nennt über 14 Fuss Gesamttiefe, 8 Fuss bis zum Netz und 6,5 bis 8,5 Fuss hinter dem Ball.
Beide brauchen also rund 4,3 Meter Raumtiefe, bevor ein einziger Ball fliegt. Dazu kommen die Deckenhöhe und die Breite; die vollständigen Masse stehen in Raumhöhe, Breite, Tiefe. Wer diese Zahlen nicht hat, kauft ein Gerät für die Driving Range.
Wo das Gerät wirklich glänzt
Draussen. Auf der Range hat ein Radar den ganzen Flug, und dort liefert es Spin und Carry ohne Spezialbälle und ohne Netz. Ein Gerät für CHF 600 plus ein Korb Bälle für CHF 5 ist die günstigste Kombination, um die eigene Distanztabelle zu erstellen.
Elf der sechzehn Schweizer Ranges im Verzeichnis zeigen den Ballflug aber schon selbst, mit Toptracer oder TrackMan, und dort brauchst du gar kein eigenes Gerät. Welche das sind und was ein Korb kostet, steht in Driving Ranges in der Schweiz.
Was das Abo dazu kostet
Beim R10 braucht die Messung kein Abo. Bei Rapsodo ist die Simulation mit über 30'000 Plätzen Teil der Premium-Mitgliedschaft, die mit 45 Tagen Test beim Kauf dabei ist. Wer das Gerät nur zum Messen nutzt, zahlt danach nichts weiter.
Rechne beim Vergleich mit einer Anlage also nicht nur den Kaufpreis. Ein Gerät, eine Netzkonstruktion, ein Laptop und Spezialbälle sind zusammen mehr als CHF 1'000, und eine Bay-Stunde kostet CHF 39 bis 79. Die Rechnung steht in Kaufen oder mieten.
Was eine gerechnete Zahl wert ist
Eine gerechnete Zahl ist nicht falsch, sie ist nur von einer anderen abhängig. Carry wird aus Ballgeschwindigkeit, Abflugwinkel und Spin gerechnet; stimmt der Spin nicht, stimmt der Carry nicht, obwohl beide Zahlen sauber auf dem Bildschirm stehen. Deshalb ist die Liste der direkt gemessenen Werte die wichtigste Angabe eines Herstellers.
Praktisch heisst das: Vergleiche mit einem solchen Gerät nie absolute Distanzen mit denen eines Freundes, sondern nur deine eigenen Serien untereinander. Dann arbeitet die gerechnete Zahl konstant, und ein Unterschied zwischen zwei Sitzungen ist ein echter Unterschied.
Die Kalibrierung, die beide brauchen
Ein Radar muss genau auf der Ziellinie stehen, sonst wandert die Startrichtung. Garmins Handbuch nennt dafür einen einfachen Test: einen kurzen, geraden Schlag mit einem hohen Loft schlagen und prüfen, in welche Richtung die App den Ball setzt; steht das Gerät zu weit links, erscheint die Startrichtung weiter rechts (Garmin, Handbuch).
Ausserdem willst du die Distanz zwischen Gerät und Leinwand exakt eingeben, weil die Software daraus den Rest des Flugs rechnet. Beides dauert fünf Minuten pro Aufbau und entscheidet, ob die Zahlen der Sitzung überhaupt vergleichbar sind.
Das Netz ist der teurere Teil
Ein Gerät für CHF 600 braucht ein Netz, das einen Driver aushält, und einen Raum, der die Tiefe hat. Rapsodo verlangt 8 Fuss vom Ball zum Netz und 6,5 bis 8,5 Fuss dahinter, also gut 14 Fuss (Rapsodo); ohne diese Tiefe misst das Gerät nicht oder der Ball kommt zurück.
Dazu kommt die Höhe. Wer keinen Raum mit gut drei Metern hat, kann ein solches Gerät nur draussen nutzen, und das ist in der Schweiz von November bis März kein Angebot. Die vollständigen Masse stehen in Raumhöhe, Breite, Tiefe.
Die Klasse darüber
Ein Gerät mit eigenem Bildschirm und Kameras kostet ein Vielfaches: Das Garmin Approach R50 steht in derselben Schweizer Liste bei CHF 4'999. Dafür bekommst du Kameramessung, ein integriertes Display und Videoaufnahmen, und du brauchst weiterhin den Platz.
Wer unsicher ist, misst zuerst in einer Bay und entscheidet danach. Eine Stunde kostet weniger als ein Prozent des Kaufpreises und zeigt dir, ob du die Zahlen überhaupt nutzt. Eine Anlage in deiner Nähe findest du in der Karte.
Häufige Fragen
Was kann ein Launch Monitor für CHF 600?
Ballgeschwindigkeit, Startrichtung, Abflugwinkel, Schlägergeschwindigkeit und je nach Gerät Schwungbahn und Angriffswinkel. Carry, Gesamtlänge, Smash Factor und Scheitelhöhe werden daraus gerechnet. Rapsodo nennt 8 von 15 Werten als direkt gemessen.
Brauche ich Spezialbälle für Spin indoor?
Ja, bei beiden Geräten dieser Klasse. Garmin messt den Gesamtspin indoor nur mit Titleist RCT-Bällen, Rapsodo braucht Bälle mit RPT. Ohne sie ist die Spinzahl ein Modell, und Carry und Flughöhe hängen daran.
Wie viel Platz braucht ein tragbarer Launch Monitor?
Rund 4,3 Meter Raumtiefe. Garmin verlangt indoor mindestens 8 Fuss vom Tee zum Netz und legt das Gerät 6 bis 8 Fuss hinter das Tee; Rapsodo nennt über 14 Fuss Gesamttiefe. Deckenhöhe und Breite kommen dazu.
Lohnt sich ein eigenes Gerät oder eine Bay?
Ein Gerät, eine Netzkonstruktion, ein Laptop und Spezialbälle kosten zusammen mehr als CHF 1'000; eine Bay-Stunde kostet CHF 39 bis 79. Wer unter zwanzig Stunden im Jahr übt, ist mit der Bay besser dran und braucht keinen Raum.
Funktioniert ein Radar-Gerät auf der Driving Range besser?
Ja. Draussen hat das Radar den ganzen Flug und liefert Spin und Carry ohne Spezialbälle. Elf der sechzehn Schweizer Ranges im Verzeichnis zeigen den Ballflug allerdings selbst, mit Toptracer oder TrackMan, und dort brauchst du kein eigenes Gerät.
Quellen
- Garmin: Approach R10 Launch Monitor
- Garmin: Approach R10 Owner's Manual (PDF) (8 Fuss zum Netz, 6 bis 8 Fuss hinter dem Tee)
- Garmin: 3 key differences between Approach R50 and R10 (Radar, Spin indoor mit RCT-Bällen)
- Rapsodo: MLM2PRO (8 von 15 Werten direkt gemessen, RPT-Bälle für Spin, Platzbedarf)
- Golfers Paradise: GPS-Geräte und Launch Monitors (Preise am 26. September 2026)