26. September 2026 · 7 Min. Lesezeit
Strokes Gained für Amateure: welche Zahl dir wirklich Schläge spart
Die Benchmarkdaten nach Handicap zeigen, dass die Fairwayquote fast gleich bleibt und die Grünquote zusammenbricht. Daraus folgt ein Übungsplan.

Strokes Gained ist die Statistik, von der im Fernsehen geredet wird und die am Amateurplatz niemand rechnet. Das Nachrechnen braucht es auch nicht: Die Amateurdaten sagen so klar, wo Schläge verloren gehen, dass die Schlussfolgerung in einer Tabelle steht.
Die Zahlen nach Handicap
Shot Scope veröffentlicht Benchmarkwerte über sechs Handicapstufen aus der eigenen Datenbank (Shot Scope, PDF):
| Handicap | 0 | 5 | 10 | 15 | 20 | 25 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Schnitt über Par | +0,83 | +6,33 | +10,88 | +17,38 | +21,69 | +28,97 |
| Fairways getroffen | 50 % | 48 % | 49 % | 48 % | 46 % | 46 % |
| Grüns in Regulation | 61 % | 44 % | 36 % | 24 % | 17 % | 10 % |
| Up and Down | 47 % | 41 % | 31 % | 21 % | 20 % | 18 % |
| Putts pro Runde | 29,4 | 30,2 | 31,2 | 33,1 | 33,1 | 33,8 |
| Strafschläge pro Runde | 0,56 | 0,91 | 1,62 | 2,45 | 3,03 | 4,67 |
Lies die zweite und die dritte Zeile nebeneinander. Bei den Fairways liegen zwischen einem Scratch-Spieler und einem 25er vier Prozentpunkte. Bei den Grüns liegen 51.
Was das über das Üben sagt
Die Fairwayquote ist fast kein Unterscheidungsmerkmal. Ein 25er trifft fast so viele Fairways wie ein Scratch-Spieler, und zwar weil er kürzer schlägt und deshalb häufiger im Zielbereich landet. Wer seine Runde auf dem Driving Range verbessern will, indem er den Driver gerader macht, arbeitet an der Zahl mit dem kleinsten Hebel.
Der Hebel liegt bei den Annäherungen und bei den Strafschlägen. Vom Scratch-Spieler zum 25er steigt die Zahl der Strafschläge von 0,56 auf 4,67 pro Runde, also um vier Schläge. Das ist ein Viertel der Differenz im Schnitt und es kostet nichts, sie wegzulassen.
Wie Strokes Gained überhaupt funktioniert
Die Grundlage ist eine Tabelle erwarteter Schläge: Wie viele Schläge braucht ein Spieler im Schnitt, um von einer bestimmten Distanz und einer bestimmten Lage einzulochen. Der Wert eines Schlags ist dann die erwartete Zahl vor dem Schlag minus die erwartete Zahl danach, minus eins für den geschlagenen Schlag (Shot Scope).
Ein positiver Wert heisst, dass dieser Schlag besser war als der Durchschnitt der Vergleichsgruppe, ein negativer, dass er schlechter war. Weil die meisten Vergleichsgruppen Tourspieler sind, sehen Amateure fast nur negative Zahlen, und das ist kein Urteil, sondern der Referenzpunkt.
Warum die alten Zahlen zu wenig sagen
Ein verfehltes Fairway ist in der klassischen Statistik immer dasselbe, ob der Ball einen Meter daneben liegt oder im Wasser. Ein Grün in Regulation zählt gleich, ob der Ball zwei Meter oder zwanzig Meter von der Fahne liegt. Und die Putts pro Runde hängen davor an der Annäherung.
Das ist der ganze Grund, warum Strokes Gained erfunden wurde: Es gewichtet jeden Schlag nach dem, was er an der Ausgangslage verändert hat. Wer zwei Putts aus achtzehn Metern braucht, hat besser geputtet als jemand mit zwei Putts aus drei Metern, und nur eine der beiden Statistiken sieht das.
Die zwei Zahlen, die ein Amateur führen sollte
Erstens Strafschläge pro Runde, weil sie die teuersten und die am leichtesten vermeidbaren sind. Zweitens die Zahl der Annäherungen, die auf oder ans Grün kommen, ohne Anspruch auf Regulation. Beides schreibst du mit zwei Strichen pro Loch auf der Scorekarte mit.
Alles andere kann eine App übernehmen, aber diese zwei Zahlen brauchen keine. Nach fünf Runden weisst du, ob deine Strafschläge vom Tee oder von der Annäherung kommen, und damit weisst du, welchen Schläger du in der Bay in die Hand nimmst.
Was die Bay dazu beitragen kann
Die Bay liefert die Carry-Zahlen, aus denen bessere Annäherungen werden. Wer weiss, dass sein Eisen 7 im Schnitt 138 Meter trägt und nicht 150, spielt auf 140 Meter das richtige Eisen und trifft das Grün. Wie du diese Tabelle in einer Stunde erstellst, steht in Schlägerdistanzen.
Ausserdem ist die Streuung messbar. Ein Launch Monitor zeigt die Seitenabweichung jedes Schlags, und aus zehn Schlägen wird ein Streukreis. Wer seinen Streukreis kennt, wählt auf dem Platz Ziele, die den Ball nicht ins Wasser schicken, und genau daraus entstehen weniger Strafschläge.
Die Reihenfolge der Verbesserung
Nach dieser Tabelle in dieser Reihenfolge: Strafschläge senken, Annäherungen verbessern, das kurze Spiel, dann das Putten, und zuletzt die Fairwayquote. Das ist fast genau das Gegenteil davon, wie die meisten Amateure trainieren.
Am billigsten ist der erste Punkt, weil er nur eine Entscheidung braucht: den Schläger nehmen, mit dem der Ball im Spiel bleibt. Ein Hybrid vom Tee auf einem engen Loch kostet zwanzig Meter und spart im Schnitt mehr als einen Schlag.
Was die Kurzspielzahlen sagen
Die Up-and-Down-Quote, also der Anteil der verfehlten Grüns, die trotzdem mit einem Chip und einem Putt gespielt werden, fällt von 47 Prozent bei Scratch auf 18 bei Handicap 25 (Shot Scope). Das ist nach den Grüns der zweitgrösste Unterschied in der ganzen Tabelle.
Er wirkt doppelt: Ein höheres Handicap verfehlt mehr Grüns und rettet die verfehlten seltener. Deshalb ist das kurze Spiel die zweite Priorität nach den Strafschlägen, und deshalb bringt eine Stunde am Übungsgrün mehr als eine auf der Range.
Was du realistisch anstrebst
Die Tabelle nennt auch den Schnitt über Par: Handicap 15 spielt im Mittel 17,38 über Par, Handicap 20 spielt 21,69 (Shot Scope). Auf einem Par 72 sind das rund 89 und 94 Schläge, und in beiden Fällen liegt der Schnitt über dem Handicap.
Das ist normal und kein Zeichen von Formschwäche: Der Index entsteht aus den acht besten von zwanzig Runden, also aus dem Potenzial, nicht aus dem Durchschnitt. Wie diese Rechnung läuft, steht in Handicap Index selber nachrechnen.
Wie du deine Streuung in Zahlen bekommst
Zehn Schläge mit dem Eisen 7 in einer Bay, und du liest nicht die Distanz, sondern die Seitenabweichung. Notiere den grössten Ausschlag nach links und nach rechts; die Summe ist die Breite, mit der du auf dem Platz rechnen musst.
Dann wählst du Ziele so, dass diese Breite ins Fairway passt, und nicht so, dass der perfekte Schlag passt. Das ist die ganze Mechanik, mit der Strafschläge verschwinden, und sie kostet eine Stunde: 80 der 110 Indoor-Anlagen im Verzeichnis publizieren einen Stundenpreis zwischen CHF 25 und 99 (Verzeichnis).
Wenn du es doch genau wissen willst
Dann braucht es ein System, das jeden Schlag mit Position erfasst, also eine Uhr oder Sensoren im Griff. Ohne Positionsdaten lässt sich Strokes Gained nicht rechnen, weil die Ausgangslage jedes Schlags fehlt. Was es an Geräten gibt, steht in Golfuhr, Laser oder App.
Und wer Schlägerdaten dazu will, geht in eine Bay: Was die Zahlen dort bedeuten, steht in Launch-Monitor-Zahlen verstehen, und TrackMan erklärt die Definitionen in seinem eigenen Leitfaden (TrackMan). Eine Anlage findest du in der Karte.
Häufige Fragen
Was ist Strokes Gained einfach erklärt?
Der Wert eines Schlags gemessen an einer Tabelle erwarteter Schläge: erwartete Schläge vor dem Schlag minus erwartete Schläge danach, minus eins für den geschlagenen Schlag. Positiv heisst besser als die Vergleichsgruppe, negativ schlechter.
Welche Statistik soll ich als Amateur führen?
Zwei: Strafschläge pro Runde und die Zahl der Annäherungen, die auf oder ans Grün kommen. Beides geht mit zwei Strichen pro Loch auf der Scorekarte. Nach fünf Runden weisst du, wo deine Schläge verloren gehen.
Warum bringt eine bessere Fairwayquote so wenig?
Weil sie zwischen den Handicaps kaum unterscheidet: 50 Prozent bei Scratch gegen 46 Prozent bei Handicap 25. Bei den Grüns in Regulation liegen dagegen 61 gegen 10 Prozent, und bei den Strafschlägen 0,56 gegen 4,67 pro Runde.
Kann ich Strokes Gained selbst rechnen?
Nur mit Positionsdaten zu jedem Schlag, also mit einer Uhr oder Grip-Sensoren. Ohne die Ausgangslage jedes Schlags fehlt die Grundlage der Rechnung. Für die Praxis genügen die zwei handgezählten Zahlen und eine Distanztabelle aus der Bay.
In welcher Reihenfolge soll ich üben?
Strafschläge senken, Annäherungen verbessern, kurzes Spiel, Putten, und zuletzt die Fairwayquote. Das ist fast das Gegenteil des üblichen Range-Trainings, folgt aber direkt aus den Benchmarkzahlen nach Handicap.
Quellen
- Shot Scope: Traditional Statistics v Strokes Gained (PDF) (Benchmarkwerte nach Handicap und die Formel)
- TrackMan: The Ultimate Guide to Understanding TrackMan
- Swiss Golf Simulators: eigene Einträge (Stundenpreise Bays, Stand September 2026)