2. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit
Golfverletzungen: die häufigsten, wie sie entstehen und was die Studien zur Vorbeugung sagen
Mehr als die Hälfte der Amateure verletzt sich im Golferleben. Welche Stellen es trifft, was beim Golferarm hilft und was die Studien zum Aufwärmen wirklich zeigen.

Golf gilt als sanfter Sport. Die Zahlen sagen etwas anderes: Mehr als die Hälfte der Amateure verletzt sich im Lauf ihres Golferlebens, und am häufigsten trifft es den unteren Rücken und den Ellbogen. Das ist keine Warnung vor dem Sport, sondern eine Einladung, die Verletzungen zu kennen, die am häufigsten vorkommen. Dann lässt sich vieles früh erkennen und einiges vermeiden.
Wie oft sich Golfer verletzen
Die beste Zahl liefert eine Meta-Analyse im British Journal of Sports Medicine von 2024. Sie wertet 20 Studien mit 9'221 Golfern aus, im Mittel 46,8 Jahre alt. Die Prävalenz einer Verletzung im Lauf des Lebens liegt bei Amateuren bei 56,6 Prozent, bei Profis bei 73,5 Prozent. Profis haben ein 3,33-fach höheres Risiko für Hand und Handgelenk und ein 3,05-fach höheres für den unteren Rücken (Meta-Analyse, BJSM 2024).
Drei weitere Befunde aus derselben Arbeit sind für dich wichtiger als die Prävalenz. Erstens: Meist sind es Weichteilverletzungen, und die Diagnosen sind typischerweise unspezifisch. Zweitens: Die Häufigkeit hing weder mit dem Alter noch mit dem Geschlecht zusammen. Drittens: Zwei Studien fanden ein höheres Verletzungsrisiko bei Amateuren, die mehr als drei oder vier Runden pro Woche spielen.
Wie belastbar die Zahlen sind
Die Prävalenz bei Amateuren, 56,6 Prozent, hat ein Konfidenzintervall von 47,4 bis 65,5 Prozent, die bei Profis, 73,5 Prozent, eines von 47,3 bis 93,0 Prozent. Bei den Profis ist die Unsicherheit also gross. Die britische Befragung ist eine rückblickende Online-Umfrage unter 303 Personen, die sich an das letzte Jahr erinnern. Sie zeigt Grössenordnungen und Muster, keine genaue Rate für alle Golfer in der Schweiz. Und beide Arbeiten zählen Verletzungen, sie erklären keine Ursache: Einen einzelnen Auslöser fanden die Autoren nicht.
Was in einem Jahr passiert
Eine britische Befragung von 2024 nahm sich das letzte Jahr vor. 303 Golferinnen und Golfer, überwiegend Amateure, gaben die Verletzungen der letzten zwölf Monate an. Die Gesamtrate lag bei 41,26 Verletzungen pro 1000 Stunden. Die häufigste Stelle war der untere Rücken mit 9,94 pro 1000 Stunden, und er brauchte im Mittel 54 Tage bis zur vollen Erholung, bei einer grossen Streuung von 89 Tagen. Verletzungen durch wiederholte Bewegungen waren mit 22,00 pro 1000 Stunden doppelt so häufig wie akute mit 10,79 (Epidemiology of injuries in UK based golfers).
Das deckt sich mit dem Muster der Meta-Analyse: Beim Amateur führen Rücken und Ellbogen, die Diagnosen sind meist Muskelzerrung, Bänderverstauchung oder Sehnenreizung, und einen einzelnen Auslöser fanden die Autoren nicht. Wer wiederholt schlägt, belastet dieselben Strukturen immer wieder, und das ist die Verletzungsart, die Golfer am häufigsten haben.
Welche Körperregion wie oft
Die Anteile pro Körperregion liefert ein Überblick von Murray und Kollegen 2017, den ich im Beitrag Golf und Rückenschmerzen ausführlicher beschrieben habe (British Journal of Sports Medicine 2017).
| Körperregion | Anteil an den Verletzungen bei Amateuren | Typisch |
|---|---|---|
| Wirbelsäule, vor allem unterer Rücken | 18,3 bis 36,4 Prozent | Muskelzerrung, Reizung durch die Drehung |
| Ellbogen | 8,0 bis 33,0 Prozent | Golferarm, Sehnenreizung an der Innenseite |
| Handgelenk und Hand | 10,0 bis 32 Prozent | bei Profis 3,33-fach häufiger |
| Schulter | 4,0 bis 18,6 Prozent | seltener, grosse Spanne |
Der Golferarm
Der Golferarm, medizinisch mediale Epicondylitis, ist der Ellbogenschmerz der Golfer. Bei einem Golferarm schmerzt die Innenseite des Ellbogens, meist bei Bewegung oder Berührung und wenn man das Handgelenk beugt. Als Ursachen nennt die Gesundheitsinformation des IQWiG Sportarten wie Golf und Wurfsportarten, aber auch Handwerksarbeiten und Arbeit am Computer oder an einer Supermarktkasse (gesundheitsinformation.de).
Die gute Nachricht: Etwa 80 Prozent der Betroffenen sind innerhalb eines Jahres schmerzfrei. Empfohlen wird, die schmerzauslösenden Tätigkeiten zunächst zu vermeiden und den Unterarm mit speziellen Übungen zu kräftigen. Kortisonspritzen lindern den Schmerz, können den Heilungsprozess aber stören. Operationen werden manchmal angeboten, ihr Nutzen ist bisher kaum in Studien untersucht (gesundheitsinformation.de).
Der Golferarm ist seltener, als sein Name vermuten lässt. Etwa 2 Prozent der Bevölkerung haben einen Tennisarm, weniger als 1 Prozent einen Golferarm, und die Beschwerden treten meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf. Auslöser sind häufig einseitige oder starke Belastungen, und die gibt es auch jenseits des Golfplatzes ( gesundheitsinformation.de ). Wie gut die Behandlungen belegt sind, zeigt die Tabelle:
| Massnahme | Stand der Belege nach IQWiG |
|---|---|
| Spezielle Kräftigungsübungen (exzentrisches Training) | Wirkung belegt |
| Physiotherapie | Wirkung belegt |
| Schmerzmittel | kurzfristig belegt |
| Eigenblut-Spritzen, Botox, Lasertherapie, Akupunktur, Stosswellentherapie | bisher keine gesicherte Wirksamkeit |
Die Schulthess Klinik in Zürich nennt ein Heimprogramm die Basis jeder Therapie. Zuerst eine Pause oder weniger sportliche Belastung, dann Dehnen: mit der anderen Hand das Handgelenk für jeweils 20 bis 30 Sekunden in beide Richtungen ziehen. Kräftigen beginnst du erst nach der akuten Schmerzphase, mit leichten Gewichten wie halbvollen Flaschen, zweimal 25 Wiederholungen. Nachts kann eine Handgelenkmanschette die Muskeln entspannen, tagsüber ein Ellbogenband die Last auf der Sehne verteilen (Schulthess Klinik).
Wie du vorbeugst, so weit die Belege reichen
Hier ist Ehrlichkeit mehr wert als eine lange Liste. Dass Aufwärmen Verletzungen verhindert, belegen die Studien, die ich für diesen Beitrag gelesen habe, nicht. Belegt ist etwas anderes: Ein golfspezifisches Aufwärmprogramm steigerte direkt danach die Schlägerkopfgeschwindigkeit um 12,8 Prozent (Fradkin et al., BJSM 2004). Es kostet fünf Minuten und hilft dem Schwung, und das ist Grund genug. Wie die fünf Minuten aussehen, steht in Golf und Rückenschmerzen.
Drei Dinge lassen sich aus den Zahlen ableiten. Erstens die Menge: Zwei Studien fanden ein höheres Risiko ab drei bis vier Runden pro Woche, und die Rate der Überlastungsverletzungen ist doppelt so hoch wie die der akuten. Plane Ruhetage ein und zähl in der Bay die Bälle, nicht die Minuten. Zweitens die Belastbarkeit: Krafttraining für Beine, Rumpf und Oberkörper steigert nachweislich Tempo und Weite, was es für die Verletzungsrate heisst, ist weniger belegt. Die Übungen stehen in Golf Fitness. Drittens die Technik: Die Last am Rücken lässt sich über Haltung und Hüftdrehung anders verteilen, und das sieht ein Pro oder ein Video, nicht du selbst (Den eigenen Schwung filmen).
Wann du aufhörst und zum Arzt gehst
Muskelkater nach der ersten Runde der Saison ist normal. Ein Schmerz, der über Tage bleibt, von Schlag zu Schlag zunimmt oder in den Arm oder das Bein zieht, ist eine Frage für die Ärztin, den Arzt oder die Physiotherapeutin, nicht für den Pro. Beim Golferarm gilt: Wenn die Beschwerden trotz Schonung und Übungen lange anhalten, ist das der Anlass für die ärztliche Abklärung, bevor jemand eine Spritze oder eine Operation vorschlägt.
Wer mit Beschwerden zum Golf zurückkehrt, kann die Technik anschauen lassen. 95 der 126 Anlagen im Verzeichnis bieten Coaching an, die Trainingsseite listet sie, und die Karte zeigt, welche in deiner Nähe liegt. Eine Stunde kostet im Median CHF 50 pro Bay, 80 der 110 Indoor-Anlagen publizieren den Preis. Die ersten Schläge nach einer Pause stehen im Trainingsplan für den Winter.
Häufige Fragen
Wie oft verletzen sich Golfer?
Eine Meta-Analyse von 2024 über 20 Studien und 9'221 Golfer nennt für Amateure eine Prävalenz im Lauf des Lebens von 56,6 Prozent, für Profis 73,5 Prozent. In einer britischen Befragung lag die Rate bei 41,26 Verletzungen pro 1000 Stunden.
Welche Verletzungen sind beim Golf am häufigsten?
Beim Amateur der untere Rücken und der Ellbogen. Meist sind es Weichteilverletzungen wie Muskelzerrung, Bänderverstauchung oder Sehnenreizung. Profis haben ein 3,33-fach höheres Risiko für Hand und Handgelenk und ein 3,05-fach höheres für den unteren Rücken.
Was ist ein Golferarm und wie lange dauert er?
Eine Sehnenreizung an der Innenseite des Ellbogens, medizinisch mediale Epicondylitis. Etwa 80 Prozent der Betroffenen sind innerhalb eines Jahres schmerzfrei. Empfohlen werden Pause von den auslösenden Tätigkeiten und Kräftigungsübungen für den Unterarm. Kortisonspritzen können die Heilung stören.
Wie viele Runden pro Woche sind zu viel?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Zwei Studien in der Meta-Analyse fanden ein höheres Verletzungsrisiko bei Amateuren, die mehr als drei oder vier Runden pro Woche spielen. Überlastungsverletzungen sind laut britischer Studie doppelt so häufig wie akute.
Wann gehe ich mit Golfbeschwerden zum Arzt?
Wenn ein Schmerz über Tage bleibt, von Schlag zu Schlag zunimmt oder in Arm oder Bein zieht. Beim Golferarm, wenn die Beschwerden trotz Schonung und Übungen lange anhalten. Das ist eine Frage für Ärztin, Arzt oder Physiotherapeutin, nicht für den Pro.
Quellen
- British Journal of Sports Medicine 2024: Epidemiology of musculoskeletal injury in professional and amateur golfers, Meta-Analyse (20 Studien, 9'221 Golfer, 56,6 und 73,5 Prozent)
- Epidemiology of injuries in UK based golfers: a retrospective study (Sports Medicine 2025) (303 Golfer, 41,26 Verletzungen pro 1000 Stunden)
- Murray et al. 2017: The relationships between golf and health, a scoping review, BJSM (Anteile pro Körperregion)
- Fradkin et al. 2004: Improving golf performance with a warm up conditioning programme, BJSM (12,8 Prozent mehr Schlägerkopfgeschwindigkeit nach dem Aufwärmen)
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Tennisarm und Golferarm (80 Prozent innerhalb eines Jahres schmerzfrei)
- Schulthess Klinik: Tennisarm und Golferarm, Eigenbehandlung (Heimprogramm, Dehnen 20 bis 30 Sekunden, Kräftigen nach der akuten Phase)
- Swiss Golf Simulators: eigene Einträge (Stundenpreise und Coaching, Stand Oktober 2026)