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2. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Golf lernen mit YouTube oder mit einem Pro? Was Video leistet und was nicht

Nach zwei Wochen schnitt in einer Studie mit 30 Golfern die Gruppe mit Lehrer und Video am besten ab. Was das für YouTube, für den Pro und für den Simulator heisst.

Golf lernen mit YouTube oder mit einem Pro? Was Video leistet und was nicht — Beitragsbild

Ein Video hilft beim Golflernen, aber die Forschung stützt es vor allem zusammen mit einem Lehrer. In einer Studie mit 30 Golfern schnitt nach zwei Wochen die Gruppe am besten ab, die mit Lehrer und Video geübt hatte (Guadagnoli et al., 2002). Video ohne Lehrer wurde dort nicht geprüft. Dieser Beitrag zeigt, was ein Video leistet, wo es endet und wie du es so einsetzt, dass du etwas lernst.

Was sagt die Forschung zum Lernen mit Video?

Die Studie ist klein, aber sie ist ein Experiment mit Zufallsverteilung. Ich habe das Abstract auf Europe PMC gelesen. 30 Golfer wurden auf drei Gruppen verteilt: Üben mit Lehrer und Video, Üben mit einem Lehrer, der nur Worte benutzt, und Üben ohne Lehrer. Alle machten einen Test vorher, vier Übungseinheiten von je 90 Minuten, einen Test direkt danach und einen zweiten zwei Wochen später. Getestet wurde mit 15 Schlägen mit dem Eisen 7 von einer Kunstrasenmatte, gewertet nach Weite und Genauigkeit:

GruppeDirekt nach dem TrainingZwei Wochen später
Üben ohne Lehrerbesser als beide Gruppen mit Lehrerschlechter als beide Gruppen mit Lehrer
Lehrer, nur Worteschlechter als ohne Lehrerbesser als ohne Lehrer
Lehrer mit Videoschlechter als ohne Lehrerbesser als ohne Lehrer, von den dreien am besten

Die Autoren lesen daraus, dass Videoanalyse ein wirksames Übungsmittel ist, dass die positive Wirkung aber Zeit brauchen kann. Für dich heisst das: Ein schlechterer Schlag direkt nach einer Umstellung beweist noch nicht, dass die Umstellung falsch war. Bedenke die Grenzen: eine kleine Studie, ein Schläger, eine Matte, und der Lehrer war in beiden Lehrergruppen dabei.

Was sagt eine Übersicht über 52 Golfstudien?

Barzyk und Gruber haben 2024 52 randomisierte Studien zum Lernen golfspezifischer Bewegungen ausgewertet (Frontiers in Sports and Active Living). Zusätzliche Rückmeldung von aussen, zu der auch Video zählt (Moinuddin et al., 2021), führt dort zu keinem klaren Sieger: Keine einzelne Methode lasse sich als die günstigste bezeichnen. Dazu kommen die Grenzen der Studien. Bei mehr als der Hälfte fehlte die statistische Aussagekraft, und die meisten untersuchten einfaches Putten bei Anfängern.

Die Übersicht sagt also nicht, dass sich Video nicht lohnt. Sie sagt, dass die Studien keine Art der Rückmeldung als die beste auszeichnen. Das ist ein Grund, Video als eines von mehreren Mitteln zu behandeln und nicht als die Lösung.

Was ein Video gut zeigt

Die PGA Deutschland beschreibt in ihrer Lernunterlage Golftechnik, wie ein Lehrer eine Bewegung zuerst ansieht: Betrachtet wird nur der äusserlich sichtbare Teil. Kräfte und innere Steuerungsprozesse bleiben dabei aussen vor. Diese Betrachtung sei im Alltag eines Lehrers oder Trainers oft die einzige Analyse. Video und Bild nennt die Unterlage als Mittel, solche Beobachtungen zum Teil zu objektivieren.

Das ist genau das, was ein Handyvideo liefert: Haltung, Griff, Ballposition, Schwunglänge, Gewichtsverlagerung. Wie du es aufnimmst, steht in Den eigenen Schwung filmen. Worauf du bei einem Anfängerschwung achtest, steht in Golfschwung für Anfänger.

Die Unterlage hält auch fest, dass Laien Bewegungsmerkmale meist brauchbar beschreiben können, dass die Beschreibung aber teilweise vom eigenen Idealbild abhängt. Im eigenen Video siehst du also nicht nur, was da ist, sondern auch, was du erwartest. Ein zweiter Blick hilft: der eines Lehrers oder eine Aufnahme vom Vormonat.

Was ein Video nicht zeigt

Ein Video zeigt Körper und Schläger. Wie viele Grad die Schlagfläche im Treffmoment zur Schlägerbahn offen oder geschlossen steht, ist eine Messgrösse, die ein Launch Monitor ausgibt. TrackMan nennt sie Face to Path und beschreibt (TrackMan): Bei zentralem Treffer krümmt sich der Ball zur Schlagfläche hin und von der Bahn weg.

Wie viel das ausmacht, zeigt ein Tourwert. Bei einem Drive mit 275 Yards Carry, rund 251 Metern, sind 5 Grad Face to Path etwa 44 Yards Kurve nach rechts, rund 40 Meter. Das sind Werte der PGA Tour. Deine fallen anders aus, die Richtung der Regel bleibt. Was die Zahlen bedeuten, steht in Launch-Monitor-Zahlen verstehen, und wie du sie bei einem Slice liest, in Slice korrigieren mit Zahlen.

Und ein Video beantwortet nicht, welche der sichtbaren Abweichungen den Fehlschlag verursacht. Das ist die Frage, die du an einen Lehrer richtest.

Was ein Pro dazugibt, und was es kostet

Auch der Blick eines Lehrers gilt nach der PGA Deutschland oft nur dem äusserlich Sichtbaren. Was er dazugibt, ist die Auswahl und die Rückmeldung in Worten: welche Abweichung zählt und was du als Nächstes übst. In der Studie oben hatte auch die Gruppe mit einem Lehrer, der nur Worte benutzte, nach zwei Wochen bessere Werte als die Gruppe ohne Lehrer.

Im Verzeichnis bieten 81 der 110 Indoor-Anlagen Coaching an, und in sieben Einträgen kommt das Wort Video vor (Stand 2. Oktober 2026). Die Zahl sieben sagt, wie oft ein Eintrag das Wort nennt, nicht, wie viele Anlagen filmen können. Vier Beispiele mit dem, was im Eintrag steht:

AnlageWas der Eintrag nenntPreis laut Eintrag
Golf Club Thunersee, Thun BEim Winter Indoor-Training mit Video- und Trackman-Analyse, Privat- oder Gruppenunterricht, keine freie SimulatorzeitPrivatlektion ab CHF 110 / 50 Min.
La Grange Indoor, Bulle FRFlightscope-Radar, Videoanalyse und Bewegungssensoren, Privatlektionen, kein freies Spiel ohne Proab CHF 120 / Std. (Privatlektion)
Golf Pro Müller, Alvaneu Bad GRTrackMan 4 mit Videoanalyse, Halle ohne Golflehrer buchbar, Unterricht mit TrackMan zusätzlichHalle ohne Pro: CHF 50 / Std.
Golf Medical Clinic, Rheinfelden AGTrackMan 4, Videoanalyse mit Vergleichsoptionen, Schwunganalysen mit Video10er-Abo CHF 350 (CHF 200 mit MTT-Abo)

Was eine Lektion bei den Anbietern kostet, steht in Was kostet eine Golfstunde in der Schweiz?. Wer zuerst prüfen will, ob ihm Golf liegt, beginnt mit einem Schnupperkurs.

Wie du ein Video nutzt, damit du lernst

Post und Kollegen liessen Lernende einen Chip üben (Post et al., 2016). Wer selbst bestimmen durfte, wann er seine Wiederholung im geteilten Bild neben einem Expertenmodell ansah, erreichte im Transfertest am zweiten Tag höhere Werte für Form und Genauigkeit als die Vergleichsgruppe. Die Gruppe rief das Video meist nach Schlägen auf, die sie selbst für schlecht hielt. Geübt wurde mit 60 Versuchen.

Eine Meta-Analyse zu Self-Modeling, bei dem Lernende sich selbst als Vorbild beobachten, fand mittlere bis grosse positive Effekte auf die Leistung (Wang et al., 2026). Eine Woche nach dem Ende der Massnahme hielt die Verbesserung nicht an, und die Wirkung war grösser, je höher die Dosis. Die Meta-Analyse betrachtet Sportunterricht und Sport allgemein, nicht Golf allein. Als Regeln für dich:

  • Du entscheidest, wann du hinschaust, zum Beispiel nach einem Schlag, den du selbst schlecht fandest.
  • Eine Frage pro Aufnahme, so wie es der Beitrag zum Filmen beschreibt.
  • Regelmässig filmen statt einmal. Eine einzelne Aufnahme ist keine Dosis.
  • Nimm bei einem Lehrer oder am Simulator die Zahl dazu, die das Video nicht zeigt.

Was das für dich heisst

Eine Reihenfolge, die zu den Zahlen passt: Zuerst filmst du dich selbst und stellst eine Frage. Dann nimmst du die Aufnahme zu einer Lektion mit. Danach misst du am Simulator, was das Video nicht zeigt, und filmst wieder.

Ein Rechenbeispiel mit zwei Einträgen aus dem Verzeichnis: eine Privatlektion ab CHF 110 (Golf Club Thunersee) und eine Stunde in der Halle ohne Pro für CHF 50 (Golf Pro Müller) ergeben zusammen ab CHF 160. Das Handyvideo kommt ohne zusätzliche Kosten dazu. Die beiden Anlagen liegen in verschiedenen Kantonen, es ist ein Beispiel für die Grössenordnung und kein Paket.

Wo du in der Schweiz mit Video und Pro üben kannst

Anlagen mit Coaching findest du auf der Seite Indoor-Golf-Training. Wenn du neu anfängst, hilft dir Golf-Simulator für Anfänger bei der Wahl. Auf der Karte siehst du, welche Anlage in deiner Nähe liegt.

Häufige Fragen

Kann man Golf mit YouTube-Videos lernen?

Diese Frage hat die Studie nicht geprüft. In einer Studie mit 30 Golfern schnitt nach zwei Wochen die Gruppe am besten ab, die mit Lehrer und Video geübt hatte. Video ohne Lehrer wurde nicht getestet. Ein Lehrvideo zeigt dir, was du üben kannst, eine Rückmeldung zu deinem eigenen Schwung gibt es darin nicht.

Was bringt eine Videoanalyse beim Golf?

Sie macht den sichtbaren Teil des Schwungs prüfbar: Haltung, Ballposition, Bewegung. Die PGA Deutschland nennt Video als Mittel, solche Beobachtungen zu objektivieren. Kräfte bleiben dabei unsichtbar, und Grössen wie Face to Path gibt ein Launch Monitor aus. Beides zusammen ergibt das vollständigere Bild.

Was kostet Golfunterricht mit Videoanalyse in der Schweiz?

Zwei Einträge im Verzeichnis nennen Videoanalyse und einen Preis: eine Privatlektion ab CHF 110 für 50 Minuten (Golf Club Thunersee) und ab CHF 120 pro Stunde (La Grange Indoor, Bulle). Stand 2. Oktober 2026, Preise laut Einträgen. Einen Vergleich der Anbieter findest du im Beitrag zu den Lektionspreisen.

Warum schlage ich nach einer Golfstunde zuerst schlechter?

Eine allgemeine Regel gibt es nicht. In einer Studie mit 30 Golfern lagen die Gruppen mit Lehrer direkt nach dem Training hinter der Gruppe ohne Lehrer und zwei Wochen später davor. Die Autoren schreiben, die positive Wirkung könne Zeit brauchen. Der Befund stammt aus einer kleinen Studie mit dem Eisen 7.

Wie oft sollte ich meinen Golfschwung filmen?

Die hier zitierten Studien nennen keine feste Zahl. Eine Meta-Analyse zu Self-Modeling aus dem Jahr 2026 fand, dass die Wirkung mit der Dosis wuchs und eine Woche nach dem Ende nicht anhielt. Das spricht eher für einen festen Rhythmus statt einer einzelnen Aufnahme.

Quellen