2. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit
Pre-Shot-Routine im Golf: Was dazugehört, wie lange sie dauern darf und was Studien zeigen
Die Regeln empfehlen höchstens 40 Sekunden pro Schlag. Was in die Routine gehört, was eine Metaanalyse mit 112 Effektgrössen findet und was für Golf offen bleibt.

Eine Pre-Shot-Routine sind die Handlungen vom Wählen des Schlägers bis zum Beginn des Schwungs, in einer Abfolge, die du dir festlegst. Die Golfregeln empfehlen, den Schlag in höchstens 40 Sekunden zu spielen. Die Forschung ist vorsichtig positiv: Eine Metaanalyse mit 112 Effektgrössen fand einen Nutzen, für Golf allein ist die Lage aber dünner. Dieser Beitrag nennt die Zahlen mit ihrer Unsicherheit, schlägt einen Ablauf zum Anpassen vor und zeigt, wie du ihn im Simulator übst. Ich habe die Quellen am 2. Oktober 2026 gelesen.
Was ist eine Pre-Shot-Routine?
Die PGA of America teilt den Schwung in zwei Phasen, pre-swing und in-swing. Zur Phase davor gehören in ihrem Einsteigerheft die Pre-Shot-Routine und das Ansprechen des Balls (PGA of America, First Swing). Im Glossar desselben Hefts sind es die Handlungen von dem Moment an, in dem du den Schläger wählst, bis du den Schwung beginnst.
Wozu das dient, beschreiben Orbach und Blumenstein so: Routinen werden gelernt und geübt, um die Aufmerksamkeit zu lenken, die Reaktion auf Stress zu regulieren und die Bewegung mit möglichst wenig bewusstem Eingreifen ablaufen zu lassen (Frontiers in Psychology, 2022). Das ist die Absicht hinter der Routine, noch kein Beweis, dass sie wirkt. Was gemessen wurde, steht weiter unten.
Wie lange darf die Routine dauern?
Die Regel 5.6b empfiehlt, den Schlag in höchstens 40 Sekunden zu spielen, gerechnet ab dem Moment, in dem du ohne Störung oder Ablenkung spielen kannst (R&A, Regel 5). Du sollst meist schneller sein können. Das ist eine Empfehlung und keine Grenze mit Strafe. Strafen gibt es für unangemessene Verzögerung nach Regel 5.6a, und ein Komitee kann in einer Tempo-Regelung eine Höchstzeit pro Schlag festlegen.
| Stelle in Regel 5 | Was sie sagt |
|---|---|
| 5.6b, Empfehlung | Schlag in höchstens 40 Sekunden, ab dem Moment ohne Störung oder Ablenkung |
| 5.6b, Empfehlung | Du solltest meist schneller spielen können und bist dazu aufgefordert |
| 5.6a, Strafe | Unangemessene Verzögerung: erster Verstoss ein Strafschlag, zweiter allgemeine Strafe, dritter Disqualifikation |
| 5.6b, Komitee | Eine Tempo-Regelung darf eine Höchstzeit für einen Schlag und Strafen festlegen |
Die Regel verlangt ausserdem, dass du für den nächsten Schlag im Voraus vorbereitest und bereit bist, wenn du an der Reihe bist. Das gibt der Routine ihre Gliederung: entscheiden, während andere spielen, ausführen, wenn du dran bist. Wie lange eine ganze Runde dauert und was Ready Golf ist, steht in Spieltempo und Dauer einer Golfrunde.
Was zeigt die Forschung insgesamt?
Die grösste Zusammenfassung ist die Metaanalyse von Rupprecht, Tran und Gröpel (International Review of Sport and Exercise Psychology). Sie wertete 112 Effektgrössen aus Vorher-nachher- und Experimentalstudien aus, unter geringem Druck und unter Druck. Die Autoren geben den Effekt als standardisiertes Mass an, je näher der Wert an 0 liegt, desto kleiner ist der Unterschied.
| Studiendesign | Effekt | 95-%-Konfidenzintervall |
|---|---|---|
| Vorher-nachher | 0,31 (klein) | 0,18 bis 0,44 |
| Experiment, geringer Druck | 0,64 (mittel bis gross) | 0,45 bis 0,83 |
| Experiment, unter Druck | 0,70 (mittel bis gross) | 0,24 bis 1,16 |
Das Konfidenzintervall zeigt die Unsicherheit. Unter Druck reicht es von 0,24 bis 1,16, der Effekt ist also nicht genau bekannt. Warum die Vorher-nachher-Studien weniger zeigen als die Experimente, sagt die Zusammenfassung nicht. Die Effekte hingen nach den Autoren nicht von der Art der Routine, vom Alter, vom Geschlecht, vom Können oder von den Merkmalen der Intervention ab.
Und speziell im Golf?
John Hellström fasste 2009 in Sports Medicine zusammen, was über gute Golfer bekannt ist (Europe PMC). Seine Aussage zur Routine ist vorsichtig: Sie hängt mit der Leistung zusammen. Unklar sei aber, ob eine gleichbleibende Gesamtdauer und ein gleichbleibender Ablauf die Leistung verbessern. Die Routine könne auch die Folge psychologischer Prozesse sein, zum Beispiel eines anderen Aufgabenfokus. Zu diesem Fokus siehe Aufmerksamkeitsfokus beim Schwung.
Eine Golfstudie baut einen Blick in die Routine ein. Vine, Moore und Wilson teilten 22 Golfer mit einem mittleren Handicap von 2,7 zufällig in zwei Gruppen (Frontiers in Psychology, 2011). Die eine übte, vor dem Putt ruhig auf den Ball zu schauen, die letzte Fixation vor dem Rückschwung. Die Anweisung lautete 2 bis 3 Sekunden. Danach hielten die Teilnehmenden in 10 Wettkampfrunden ihre Putts fest. Die geübte Gruppe kam auf 27,6 Putts pro Runde, die Kontrollgruppe auf 29,9, und gegenüber der Zeit vor dem Training sparte sie 1,9 Putts pro Runde.
Wie viel das für dich heisst, ist offen: Es waren 22 Personen, gute Golfer, nur das Putten, und geübt wurde der Blick, nicht die ganze Routine. Es ist ein Hinweis und kein Beweis. Eine kleine Untersuchung mit Amateuren zum Abschlag fasst Der erste Abschlag: was gegen Nervosität hilft zusammen.
Was gehört in deine Routine?
Es gibt keine geprüfte Idealroutine: Die Metaanalyse fand keinen Unterschied nach Art der Routine, und die Golfstudien lassen offen, was genau wirkt. Die Liste ist deshalb ein Vorschlag, gebaut aus der Phase vor dem Schwung, der Regel zur Vorbereitung und dem ruhigen Blick vor dem Putt.
| Schritt | Was du tust | Wann |
|---|---|---|
| 1 Entscheiden | Lage lesen, Schlag und Schläger wählen (siehe Schlägerwahl auf dem Platz) | Vor deiner Reihe |
| 2 Ziel festlegen | Hinter dem Ball ein kleines Ziel wählen und die Linie ansehen | Vor deiner Reihe |
| 3 Probeschwung | Ein Schwung für das Tempo, nicht für die Technik | Wenn du dran bist |
| 4 Ansprechen | Füsse, Ball, Haltung (siehe Ansprechposition im Golf) | Wenn du dran bist |
| 5 Letzter Blick | Vom Ziel zurück zum Ball, beim Putt ruhig auf den Ball schauen | Wenn du dran bist |
| 6 Schlagen | Ohne neuen Gedanken losschwingen | Wenn du dran bist |
Gedeckt aus den Quellen sind zwei Dinge: die Vorbereitung vor der eigenen Reihe, die die Regel verlangt, und der ruhige Blick vor dem Putt, der in der Golfstudie geübt wurde. Alles andere probierst du aus. Für das Putten gibt es einen eigenen Beitrag, Putten: Technik für Anfänger, und für den Abschlag Driver-Abschlag für Anfänger.
Was das für dich heisst: ein Rechenbeispiel
Du brauchst 90 Schläge, und jeder dauert die vollen 40 Sekunden. Das sind 3'600 Sekunden, also 60 Minuten reine Schlagzeit. Die 40 Sekunden sind die Obergrenze der Empfehlung und kein Ziel, denn die Regel sagt, dass du meist schneller sein sollst. Für dich heisst das: Leg die Schritte 1 und 2 vor deine Reihe, dann bleiben für die Zeit, in der du dran bist, nur die Schritte 3 bis 6.
So übst du die Routine im Simulator
Im Simulator wartet keine Gruppe hinter dir, und der Ball liegt nach dem Schlag sofort wieder bereit. Das macht die Bay zum Ort, an dem du die Abfolge oft wiederholen kannst. Stell eine Stoppuhr auf 40 Sekunden, mach die Routine bei jedem Ball, auch beim Einspielen, und baue Druck ein, etwa mit einem Spiel gegen jemanden. Die Metaanalyse wertete auch Studien unter Druck aus, und das ist der Fall, für den du übst. Wie du dich mit dem Handy filmst, zeigt Golfschwung filmen.
Ob du dafür einen Mentaltrainer brauchst, kann keine Studie für dich beantworten. Die Metaanalyse fand keinen Unterschied nach Können, und eine einfache Routine kostet nichts. Wer die Abfolge mit jemandem durchgehen will: 81 der 110 Indoor-Anlagen im Verzeichnis bieten Coaching an (Stand 2. Oktober 2026, eigene Einträge). Frag dort, ob jemand deine Routine mit dir anschaut.
Wo du die Routine üben kannst
Für den ersten Besuch ist Golfsimulator für Anfänger der Anfang. Anlagen mit Coaching stehen auf der Seite Indoor-Golf-Training, die nächste Anlage zeigt Golfsimulator in der Nähe, und die Karte zeigt die Anlagen nach Kanton.
Häufige Fragen
Wie lange darf die Routine vor dem Schlag dauern?
Die Regel 5.6b empfiehlt, den Schlag in höchstens 40 Sekunden zu spielen, gerechnet ab dem Moment, in dem du ohne Störung oder Ablenkung spielen kannst. Du sollst meist schneller sein können. Es ist eine Empfehlung, keine feste Grenze mit Strafe.
Was gehört zu einer Pre-Shot-Routine?
Nach der PGA of America sind es die Handlungen vom Wählen des Schlägers bis zum Beginn des Schwungs. Welche Schritte genau, ist nicht geprüft: Die Metaanalyse fand keinen Unterschied nach Art der Routine. Der Ablauf in diesem Beitrag ist ein Vorschlag zum Ausprobieren.
Hilft eine Routine gegen Nervosität?
Eine Metaanalyse mit 112 Effektgrössen fand unter Druck in Experimenten einen Effekt von 0,70, mit einem Konfidenzintervall von 0,24 bis 1,16. Der Nutzen ist also belegt, seine Grösse aber unsicher. Für Golf allein ist die Studienlage dünner.
Gibt es Studien zur Routine speziell im Golf?
Ja, aber wenige und kleine. Eine Studie mit 22 Golfern übte den ruhigen Blick vor dem Putt: Die geübte Gruppe sparte 1,9 Putts pro Runde. Hellström hält 2009 fest, dass unklar ist, ob eine gleichbleibende Dauer und ein gleichbleibender Ablauf die Leistung verbessern.
Gibt es einen Strafschlag, wenn ich länger als 40 Sekunden brauche?
Nicht automatisch. Die 40 Sekunden sind eine Empfehlung in Regel 5.6b. Einen Strafschlag gibt es für unangemessene Verzögerung nach Regel 5.6a, beim ersten Verstoss einen. Ein Turnierkomitee kann in einer Tempo-Regelung zudem eine Höchstzeit pro Schlag festlegen.
Quellen
- R&A: Regel 5, Spielen der Runde (5.6a und 5.6b, Tempo) (40-Sekunden-Empfehlung, Strafen für unangemessene Verzögerung, Tempo-Regelung des Komitees)
- Rupprecht, Tran, Gröpel: The effectiveness of pre-performance routines in sports, a meta-analysis (2024) (112 Effektgrössen, 0,31 / 0,64 / 0,70 mit Konfidenzintervallen)
- Hellström: Psychological hallmarks of skilled golfers, Sports Medicine (2009) (Routine hängt mit Leistung zusammen, Ursache offen)
- Vine, Moore, Wilson: Quiet eye training facilitates competitive putting performance in elite golfers (2011) (22 Golfer, Quiet Eye in der Pre-Shot-Routine, 1,9 Putts weniger pro Runde)
- Orbach, Blumenstein: Preparatory routines for emotional regulation in performance enhancement (2022) (Zweck von Routinen: Aufmerksamkeit lenken, Stress regulieren)
- PGA of America: First Swing, Golfer's Guide (Pre-swing und in-swing, Pre-Shot-Routine im Glossar)
- Swiss Golf Simulators: eigene Einträge (Anlagen mit Coaching, Stand 2. Oktober 2026)