2. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit
Wie viele Dellen hat ein Golfball, und warum? Zahl, Physik und Regel einfach erklärt
Zwischen 302 und 388 Dellen nennen die Hersteller, die Regeln schreiben keine Zahl vor, und nach NASA Glenn senken sie den Luftwiderstand. Mit den Quellen und den offenen Fragen.

Moderne Golfbälle haben je nach Modell zwischen 302 und 388 Dellen, so steht es in den Produktdaten eines Schweizer Shops (Stand 2. Oktober 2026). Die Dellen sind kein Schmuck: Nach NASA Glenn liegen Grösse und Tempo eines Golfballs in einem kleinen Bereich, in dem eine raue Kugel weniger Luftwiderstand hat als eine glatte. Deshalb fliegt der Ball mit Dellen weiter. Eine feste Zahl Dellen kommt in den Prüfpunkten der Regeln nicht vor. Dieser Beitrag zeigt die Zahlen, die Physik in einfachen Worten und die Regel, jeweils mit der Quelle.
Wie viele Dellen hat ein Golfball?
Die Zahl hängt vom Modell ab. Die Tabelle zeigt neun Modelle, so wie die Hersteller sie auf den Produktseiten des Schweizer Shops Golfers Paradise nennen (Stand 2. Oktober 2026). Es sind Herstellerangaben, ich habe keinen Ball nachgezählt.
| Ball | Dellen laut Produktseite |
|---|---|
| Titleist Pro V1 (2025) | 388 |
| Titleist TruFeel | 376 |
| Wilson Staff Model | 362 |
| Titleist Velocity | 350 |
| Titleist Pro V1x Elongated Alignment (2025) | 348 |
| Srixon AD333 | 338 |
| Callaway Warbird (2021) | 332 |
| Volvik Captain America Vivid | 322 |
| Wilson DUO Soft | 302 |
Es gab auch mehr. Der Wilson Ultra 500, 1995 eingeführt, hatte nach einem NASA-Bericht 500 Dellen in einem Muster aus 60 sphärischen Dreiecken. Mehr Dellen heissen aber nicht mehr Weite: Snell Golf schreibt, die Zahl der Dellen hänge nicht direkt mit der Leistung zusammen, auch Muster und Tiefe beeinflussten den Flug. Dazu passt die Tabelle: Schon eine einzige Marke führt Bälle mit 388, 376, 350 und 348 Dellen. Was eine dreistellige Zahl auf dem Ball sonst bedeuten kann, steht in Zahlen auf dem Golfball.
Warum hat ein Golfball Dellen?
Die Antwort von NASA Glenn ist kurz. Eine raue Kugel wird schon bei einer niedrigeren Reynolds-Zahl turbulent umströmt als eine glatte, bei gleichem Ball vereinfacht gesagt: bei niedrigerem Tempo. Es gibt einen kleinen Bereich, in dem die raue Kugel dadurch weniger Widerstand hat, und Grösse und Tempo eines Golfballs fallen in diesen Bereich. Darum hat der Golfball Dellen. Der geringere Widerstand lässt ihn weiter fliegen als einen glatten Ball mit gleichem Tempo, Durchmesser und Gewicht.
Bildlich: Hinter einem fliegenden Ball bleibt ein Nachlauf. In ihm sinkt der Druck, und das bremst den Ball. Bei der glatten Kugel löst sich die Luft früh von der Oberfläche, und der Nachlauf ist gross. Die Dellen erzeugen kleine Wirbel, die dünne Luftschicht am Ball wird früher turbulent, der Ablösepunkt liegt weiter hinten, und der Nachlauf ist kleiner. Bei einer Kugel hängt der Druckwiderstand, der hier überwiegt, nach der Erklärung von COMSOL, einem Hersteller von Simulationssoftware, vor allem von der Grösse dieses Nachlaufs ab.
| Glatter Ball | Ball mit Dellen | |
|---|---|---|
| Luftschicht am Ball | laminar, löst sich früh ab | turbulent, löst sich später ab |
| Nachlauf hinter dem Ball | gross | kleiner |
| Luftwiderstandsbeiwert bei etwa 260 km/h | Vergleichswert | etwa die Hälfte |
Die Kugel ist dabei ein Sonderfall. Bei den meisten Körpern bleibt der Widerstandsbeiwert über einen weiten Bereich fast gleich, bei einer Kugel ändert er sich stark mit der Reynolds-Zahl (NASA Glenn). Eiffel und Prandtl beobachteten, dass der Beiwert einer Kugel in einem kurzen Bereich plötzlich stark fällt, COMSOL nennt das die Widerstandskrise. Die Dellen verschieben diese Krise zu niedrigerem Tempo, der Abfall ist dafür weniger tief als bei der glatten Kugel, und der Vorteil gilt nur in einem begrenzten Bereich. Wird der Ball im Flug langsamer, steigt der Widerstand wieder.
Wie viel weiter fliegt ein Ball mit Dellen?
Das hängt von der Rechnung ab, und ich habe keine Messung an einem modernen Ball gefunden. COMSOL hat den Flug mit und ohne Dellen modelliert: Bei rund 150 Metern Carry fliegt der Ball mit Dellen im Modell 25 % weiter, das sind 30 Meter. Der glatte Ball käme also auf etwa 120 Meter. COMSOL warnt selbst, die Werte seien nicht als wahre Werte für moderne Bälle zu nehmen, denn die Daten für Widerstand und Auftrieb stammen nicht von modernen Bällen, sondern gehen auf eine Studie von Bearman und Harvey aus dem Jahr 1976 zurück. Ein Kaufratgeber von Golf Post nennt für einen glatten Ball mit dem Driver nur etwa 90 bis 130 Meter, ohne eine Messung zu nennen. Die Quellen sind sich also nur in der Richtung einig: Ohne Dellen fliegt der Ball kürzer.
Dellen, Spin und die Flugbahn
Der Luftwiderstand ist nur die eine Hälfte. Dreht sich der Ball, entsteht Auftrieb, den COMSOL über den Magnus-Effekt beschreibt und der von der Drehzahl abhängt. Das Modell zeigt auch, dass der Flug keine Parabel ist: Der Ball steigt fast gerade und fällt nach dem höchsten Punkt abrupt ab. Welche Werte dein Launch Monitor dazu misst, steht in Launch-Monitor-Zahlen verstehen, wie Seitenspin den Ball krümmt, zeigen die neun Ballflüge, und was ein Simulator misst und was er rechnet, erklärt Radar oder Kamera: wie ein Golfsimulator den Ball misst.
Ist die Zahl der Dellen geregelt?
Als Zahl nicht. Die R&A und die USGA prüfen den Ball in sechs Punkten, und unter ihnen steht keine Vorgabe zur Zahl oder zum Muster der Dellen (R&A, Regeln für Ausrüstung, Teil 4). Wichtig ist die Symmetrie: Der Ball darf sich nicht anders verhalten als eine symmetrische Kugel. Mehr zur Prüfung der Gesamtdistanz steht in Welcher Golfball passt zu mir.
| Prüfpunkt | Was die R&A verlangt |
|---|---|
| Gewicht | höchstens 45,93 Gramm |
| Grösse | Durchmesser mindestens 42,67 Millimeter |
| Symmetrie | keine Eigenschaften, die von einer symmetrischen Kugel abweichen |
| Anfangsgeschwindigkeit | darf eine Grenze nicht überschreiten, die ein Standard der R&A und USGA festlegt |
| Gesamtdistanz | Carry und Roll dürfen eine Grenze nicht überschreiten, die ein Standard festlegt |
| Allgemeines | nicht wesentlich anders als die traditionelle Form |
Auf dem Platz gilt eine zweite Regel zur Oberfläche. Du darfst einen Ball nur auswechseln, wenn er im laufenden Loch klar erkennbar geschnitten oder gerissen wurde, nicht wenn er nur zerkratzt, abgeschabt oder in der Farbe beschädigt ist (Regel 4.2c, R&A). Und mit einem Ball, dessen Eigenschaften absichtlich verändert wurden, etwa durch Zerkratzen oder Erhitzen, darfst du keinen Schlag machen, sonst wirst du disqualifiziert (Regel 4.2a). Welche Regeln für Ball und Schläger sonst gelten, steht in Regelkonformer Schläger und Ball.
Was das für dich heisst
- Dellenzahl als Kaufgrund: Nein. Sie sagt nach Snell Golf nichts direkt über die Leistung. Vergleiche Bälle über Ballgeschwindigkeit, Spin und Carry.
- Zerkratzter Ball: Er bleibt im Spiel, solange er nicht geschnitten oder gerissen ist.
- Test in der Bay: Zwei Bälle, zehn Schläge je Ball, Spin und Carry notieren. Wie das geht, steht in Welcher Golfball passt zu mir.
Ballflug selbst messen
Das Verzeichnis führt 126 Anlagen: 110 Indoor-Anlagen und 16 Ranges mit Ballflug-Tracking, in 21 Kantonen (Stand 2. Oktober 2026). Von den 16 Ranges haben 11 Toptracer und 5 TrackMan Range. Die Karte zeigt sie nach Kanton, Golfsimulator in der Nähe die nächste, und wer neu anfängt, liest zuerst Golfsimulator für Anfänger.
Häufige Fragen
Wie viele Dellen hat ein Golfball?
Das hängt vom Modell ab. In den Produktdaten eines Schweizer Shops stehen zwischen 302 (Wilson DUO Soft) und 388 Dellen (Titleist Pro V1, 2025), Stand 2. Oktober 2026. Ein Wilson-Ball von 1995 hatte nach einem NASA-Bericht 500. In den sechs Prüfpunkten der R&A kommt keine feste Zahl vor.
Warum hat ein Golfball Dellen?
Nach NASA Glenn wird eine raue Kugel bei niedrigerer Reynolds-Zahl turbulent umströmt als eine glatte. Im Bereich von Grösse und Tempo eines Golfballs hat sie dadurch weniger Luftwiderstand, und der Ball fliegt weiter als ein glatter Ball mit gleichem Tempo, Durchmesser und Gewicht.
Wie viel weiter fliegt ein Golfball mit Dellen?
Eine Modellrechnung von COMSOL ergibt bei rund 150 Metern Carry 25 % mehr Weite, also 30 Meter. Die Daten gehen auf eine Studie von Bearman und Harvey aus dem Jahr 1976 zurück, und COMSOL nennt die Werte nicht gültig für moderne Bälle. Eine Messung an einem modernen Ball fand ich nicht.
Gibt es eine vorgeschriebene Zahl Dellen im Golf?
Nach den Regeln für Ausrüstung nicht: Die R&A und die USGA prüfen Gewicht, Grösse, Symmetrie, Anfangsgeschwindigkeit, Gesamtdistanz und die allgemeine Form, eine Dellenzahl ist nicht darunter. Der Ball darf höchstens 45,93 Gramm wiegen und nicht weniger als 42,67 Millimeter messen.
Fliegt ein Golfball mit mehr Dellen weiter?
Nicht direkt. Snell Golf schreibt, die Zahl der Dellen hänge nicht direkt mit der Leistung zusammen, auch Muster und Tiefe beeinflussten den Flug. In den Produktdaten führt schon Titleist Bälle mit 388, 376, 350 und 348 Dellen. Entscheidend sind deine Werte aus der Bay.
Quellen
- NASA Glenn: Drag of a Sphere (warum der Golfball Dellen hat, raue Kugel, Reynolds-Zahl)
- COMSOL: Why Do Golf Balls Have Dimples? (Nachlauf, Widerstandsbeiwert, Modellrechnung 25 %, Warnung zu modernen Bällen)
- R&A: Regeln für Ausrüstung, Teil 4, Conformance of Balls (die sechs Prüfpunkte, Gewicht, Grösse, Symmetrie)
- R&A: Regel 4, Ausrüstung des Spielers (4.2a, 4.2c) (absichtlich veränderter Ball, Ball geschnitten oder gerissen)
- Golfers Paradise: Golfbälle, Produktdaten (Dellenzahl laut Produktseiten, Stand 2. Oktober 2026)
- Snell Golf: What Do the Numbers on Golf Balls Mean (Dellenzahl hängt nicht direkt mit der Leistung zusammen)
- NASA Technical Reports Server: Golf Aerodynamics (Wilson Ultra 500) (500 Dellen in 60 sphärischen Dreiecken, 1995)
- Golf Post: Golfball-Ratgeber (Angabe zum glatten Ball ohne genannte Messung)
- Swiss Golf Simulators: eigene Einträge (Anlagen und Ranges mit Ballflug-Tracking, Stand Oktober 2026)