26. September 2026 · 6 Min. Lesezeit
Golf als Linkshänder: Schläger, Leihmaterial und wo du linkshändig üben kannst
Der Schwung ist derselbe, die Logistik nicht. Was beim Leihset, beim Gebrauchtkauf und in der Simulator-Bay anders läuft, und die drei Fragen vor dem ersten Besuch.

Linkshändig Golf zu spielen ist technisch dasselbe Spiel, spiegelverkehrt. Alles, was anders ist, ist Logistik: Leihsätze sind seltener, gebrauchte Schläger schwerer zu finden, und in mancher Simulator-Bay muss jemand ein Gerät umstellen, bevor du schlägst. Hier steht, was das konkret heisst und welche Fragen du vorher stellst.
Zuerst: links oder rechts
Die Seite, auf der du schreibst, entscheidet es nicht. Im Golf steht die Führungshand oben am Griff, und viele Linkshänder spielen rechtshändig, weil ihre stärkere Hand dann führt. Wer neu anfängt, probiert in der ersten Stunde beide Seiten aus, und zwar mit einem Eisen 7, nicht mit dem Driver.
Entscheide dich danach und bleib dabei. Ein Wechsel nach einem Jahr kostet alles, was du gelernt hast, und er kostet doppelt, weil ein zweiter Satz Schläger fällig wird. Wer unsicher ist, holt sich die Meinung eines Pros in einer einzigen Lektion, und 95 der 126 Anlagen im Verzeichnis bieten Coaching an.
Das Leihset
Die meisten Indoor-Anlagen und Golfschulen haben Leihschläger, aber nicht alle haben ein Linkshänderset. Das ist der einzige Punkt, an dem eine Anfrage wirklich nötig ist: Ein Anruf vor dem Buchen erspart dir eine Stunde mit dem falschen Material.
Wo es keines gibt, hilft oft der Pro der Anlage aus, oder die Anlage besorgt eines für den Termin. Beides funktioniert nur, wenn du es ansagst, und darum gehört die Frage in jede Buchung: Habt ihr ein Set für Linkshänder, und ist es an diesem Abend frei?
Der Gebrauchtmarkt
Hier ist der Unterschied am grössten. Linkshänderschläger machen einen kleinen Teil des Angebots aus, also findest du weniger Auswahl, längere Wartezeiten und selten die passende Kombination aus Länge und Flex. Dafür sind die Preise ähnlich, weil auch die Nachfrage kleiner ist.
Zwei praktische Folgen. Erstens lohnt es sich, früh zu suchen und bei einem passenden Satz zuzugreifen, statt auf das ideale Modell zu warten. Zweitens lohnt sich ein Fitting früher als bei Rechtshändern: Wenn du ohnehin bestellst statt aus dem Regal kaufst, kostet die richtige Länge und der richtige Flex kaum mehr. Was ein Fitting misst, steht in Golf-Fitting in der Schweiz.
In der Simulator-Bay
Ob eine Bay linkshändig bespielbar ist, hängt an der Bauart des Messgeräts. Ein Radar hinter dem Ball ist die Seite egal. Ein Kamerasystem, das neben dem Ball steht, muss auf die andere Seite gestellt werden. Deckengeräte, die Ball und Schläger von oben filmen, sehen beide Seiten ohne Umbau (Foresight).
Dazu kommt der Raum. TrackMan nennt 4.6 Meter Breite als praktischen Wert, und dieser Wert existiert genau deshalb: Zwei Abschlagpositionen brauchen je den ganzen Bogen des Schlägers (TrackMan). In einer engen Bay steht die Matte fest auf einer Seite, und dann ist die andere nicht vorgesehen.
Die drei Fragen vor dem Buchen
- Habt ihr ein Leihset für Linkshänder, und ist es frei?
- Muss das Messgerät für Linkshänder umgestellt werden, und geht das an diesem Abend?
- Ist die Matte für beide Seiten eingerichtet, oder fest montiert?
Drei Fragen, ein Telefonat. In einer Anlage mit mehreren Bays ist die Antwort fast immer ja, weil eine davon ohnehin für beide Seiten eingerichtet ist; 42 der 110 Indoor-Anlagen haben zwei Abschlagplätze oder mehr. Wo sie stehen, zeigt die Standortliste.
Der Unterricht
Ein guter Pro unterrichtet beide Seiten, und die meisten tun es täglich. Was sich ändert, ist die Sprache: Aus «nach links» wird «nach rechts», und aus dem Slice, der bei Rechtshändern nach rechts kurvt, wird der Slice, der nach links kurvt. Wer Lehrvideos schaut, muss dasselbe im Kopf spiegeln, und genau das ist der Grund, warum Linkshänder mit einem Pro schneller vorankommen als mit dem Internet.
Im Simulator ist das Spiegeln kein Problem, weil die Zahlen vorzeichenbehaftet sind und die Software die Seite kennt. Was die Werte bedeuten, steht in Launch-Monitor-Zahlen verstehen; alle Beispiele dort gelten für Rechtshänder und für Linkshänder spiegelverkehrt.
Auf dem Platz
Dort ändert sich fast nichts. Die Dogleg-Löcher, die einem Rechtshänder liegen, liegen dir umgekehrt, und ein Platz, auf dem der Slice ins Wasser geht, hat für dich die Gefahr auf der anderen Seite. Das ist kein Nachteil, sondern eine andere Karte im Kopf.
Ein praktischer Punkt bleibt: Leihschläger auf dem Platz sind fast immer rechtshändig. Wer als Linkshänder Golfferien plant oder eine Runde als Gast spielt, nimmt die eigenen Schläger mit oder fragt vorher im Sekretariat.
Was am Material gleich ist
Gespiegelt ist nur der Kopf. Schäfte, Griffe, Bälle, Handschuhe für die Führungshand, Schuhe, Tasche und Trolley sind dieselben Artikel wie bei Rechtshändern, und dieselben Gewichte und Flex-Bezeichnungen gelten unverändert. Wer eine Empfehlung zu einem Schaft liest, kann sie direkt übernehmen.
Der Unterschied liegt allein in der Auswahl. Ein Hersteller führt nicht jedes Modell und nicht jede Schaftvariante als Linksversion, und darum entscheidet oft die Verfügbarkeit und nicht die Vorliebe. Frag im Shop nach der Linksversion, bevor du dich in ein Modell verliebst.
Warum Tipps für Rechtshänder trotzdem gelten
Jede Beschreibung eines Ballflugs, jede Fehlerursache und jede Übung gilt gespiegelt: Was bei einem Rechtshänder ein Slice nach rechts ist, geht bei dir nach links. Die Ursache bleibt dieselbe, nämlich die Stellung der Schlagfläche zur Schwungbahn.
Praktisch heisst das, dass du beim Lesen einmal im Kopf umdrehst und danach dieselben Zahlen benutzt. Wie man die Ursache in einer Bay findet, steht in Slice korrigieren mit Zahlen, und die neun Ballflüge stehen in Draw, Fade, Hook, Slice.
Kinder und die Seitenwahl
Bei Kindern entscheidet nicht die Schreibhand, sondern welche Seite sich beim Schwingen richtig anfühlt. Gib beide Varianten je fünf Versuche und schau, mit welcher der Ball überhaupt abhebt; das ist eine schnellere Antwort als jede Theorie.
Wichtig ist nur, die Entscheidung dann stehen zu lassen. Ein Wechsel nach einem Jahr kostet das Gelernte und ein zweites Set. Was ein Kinderset kostet und wo es Kurse gibt, steht in Golf für Kinder in der Schweiz.
Mehr dazu: Golfhandschuh: welche Hand, welche Grösse.
Was das alles kostet
Nichts zusätzlich, ausser Aufmerksamkeit. Der Stundenpreis in der Bay gilt der Bay, im Median CHF 50 für bis zu vier Personen, unabhängig davon, auf welcher Seite du stehst. Leihschläger kosten dasselbe, Lektionen ebenso.
Was Geld kostet, ist ein zweiter Satz nach einem Seitenwechsel. Deshalb ist die Entscheidung in der ersten Stunde die wichtigste, und deshalb lohnt es sich, sie mit einem Pro zu treffen statt mit dem Gefühl. Welche Anlagen unterrichten, steht auf der Trainingsseite.
Häufige Fragen
Soll ich als Linkshänder links oder rechts spielen?
Probier in der ersten Stunde beide Seiten mit einem Eisen 7 aus. Viele Linkshänder spielen rechtshändig, weil dann die stärkere Hand oben am Griff führt. Entscheide danach und bleib dabei, denn ein Wechsel kostet die gelernte Technik und einen zweiten Satz Schläger.
Gibt es in Indoor-Anlagen Leihschläger für Linkshänder?
Häufig, aber nicht überall. Frag beim Buchen ausdrücklich danach und sag, dass du linkshändig spielst. Wo kein Set da ist, hilft oft der Pro aus oder die Anlage besorgt eines für den Termin.
Funktioniert jeder Golfsimulator für Linkshänder?
Technisch ja, praktisch nicht immer. Ein Radar hinter dem Ball ist die Seite egal, ein Kamerasystem neben dem Ball muss umgestellt werden, Deckengeräte sehen beide Seiten. Dazu braucht es Breite: TrackMan nennt 4.6 Meter als praktischen Wert für zwei Abschlagpositionen.
Sind Linkshänderschläger teurer?
Nicht im Preis, aber in der Auswahl. Auf dem Gebrauchtmarkt findest du weniger Angebote und seltener die passende Kombination aus Länge und Flex. Deshalb lohnt sich ein Fitting früher, weil du ohnehin bestellst statt aus dem Regal zu kaufen.
Was muss ich als Linkshänder auf dem Platz beachten?
Wenig: Dogleg-Löcher liegen umgekehrt, und die Gefahr liegt auf der anderen Seite. Wichtiger ist, dass Leihschläger auf Golfplätzen fast immer rechtshändig sind. Für eine Runde als Gast nimmst du deine eigenen mit oder fragst vorher im Sekretariat.