17. September 2026 · 8 Min. Lesezeit
TGL, Tiger Woods und 110 Anlagen in der Schweiz: warum Indoor-Golf kein Winterersatz mehr ist
Seit Tiger Woods und Rory McIlroy im Simulator um einen Titel spielen, ist Indoor-Golf ein eigener Sport. Was die TGL in ihrer zweiten Saison gezeigt hat, und was davon in der Schweiz schon angekommen ist.

Am 25. März 2026 hat der Los Angeles Golf Club im Finale der TGL den Jupiter Links Golf Club geschlagen und den zweiten Titel der Liga geholt. Das Spiel fand in einer Halle statt, auf einer Leinwand von rund 19 auf 16 Metern, und der Ball, den Tiger Woods und Rory McIlroy an diesem Abend schlugen, flog nie weiter als bis zur Wand. Vor drei Jahren wäre das eine Show gewesen. Heute ist es eine Liga mit sechs Teams, einer Saison von Dezember bis März und einer eigenen Arena.
Was die TGL ist
Die TGL ist die Indoor-Liga, die Tiger Woods und Rory McIlroy mit der PGA Tour gegründet haben. Sechs Teams mit je vier Tour-Spielern, darunter Justin Thomas, Xander Schauffele, Collin Morikawa, Tommy Fleetwood und Ludvig Åberg, spielen im SoFi Center in Palm Beach Gardens, Florida. Die zweite Saison lief vom 28. Dezember 2025 bis zum 25. März 2026 (Wikipedia, 2026 TGL season).
Die Technik dahinter liefert Full Swing, einer der Hersteller, die auch in Schweizer Lounges stehen. Die langen Schläge gehen auf die Leinwand, die kurzen auf ein echtes Grün: Für die zweite Saison wurde es um 38 Prozent auf rund 490 Quadratmeter vergrössert, mit zwölf Lochpositionen statt sieben und flacheren Hängen, weil die erste Saison gezeigt hatte, dass ein Grün mit zu viel Gefälle das Spiel zur Lotterie macht (Sports Illustrated).
Wie eine Partie gespielt wird
Das Regelwerk ist der eigentliche Grund, warum die Liga funktioniert. Es nimmt dem Golf genau das weg, was im Fernsehen langweilt, und lässt den Rest stehen.
- 15 Löcher, zwei Teile. Die Löcher 1 bis 9 spielen drei Spieler pro Team im Wechselschlag, die Löcher 10 bis 15 im Einzel, jeder gegen einen Gegner über zwei Löcher.
- Ein Punkt pro Loch. Wer das Loch gewinnt, bekommt einen Punkt, ein geteiltes Loch bringt keinem etwas. Gespielt werden alle 15 Löcher, auch wenn die Sache vorher entschieden ist.
- 40 Sekunden. Ab dem Moment, in dem der Ball liegt, hat der Spieler 40 Sekunden bis zum Schlag. Wer sie überzieht, kassiert einen Strafschlag.
- Drei Hämmer. Jedes Team darf dreimal pro Partie den Wert eines Lochs um einen Punkt erhöhen. Der Gegner kann den Hammer zurückwerfen, und damit wird aus einem Loch ein Risiko.
- Verlängerung am Grün. Steht es am Ende gleich, chippen die Teams abwechselnd, bis eines die zwei Bälle näher an der Fahne hat.
Die Zahlen sind öffentlich (Wikipedia, TGL). Interessant an ihnen ist nicht die Halle, sondern die Uhr: 40 Sekunden sind ungefähr die Zeit, die ein Schlag im Simulator ohnehin braucht, weil der Ball nicht gesucht und der Weg nicht gelaufen werden muss. Die TGL hat kein Golf beschleunigt, sie hat das Format genommen, das indoor von selbst schnell ist.
Warum das für die Schweiz zählt
Nicht wegen der Show. Sondern weil die TGL das Format legitimiert hat, das in der Schweiz längst läuft: Golf in einer Halle, auf einer Leinwand, mit Zahlen zu jedem Schlag, als eigenständige Sache und nicht als Notlösung für den Winter.
Der Verband Swiss Golf zählt in seinen Facts & Figures über 108'000 lizenzierte Golferinnen und Golfer, 98 Clubs, 35 Driving Ranges und 29 Indoor-Anlagen. Als wir im September 2026 jede Indoor-Anlage des Landes einzeln recherchiert haben, gegen Website, Handelsregister und Geoportal, kamen wir auf 110. Dazu 16 Driving Ranges mit Ballflug-Tracking. Der Unterschied ist kein Fehler des Verbands; er zählt, was zu seinen Clubs gehört. Er zeigt, wo das Wachstum stattfindet: ausserhalb der Clubs, in Lounges, Studios, Hotels und Fitnesscentern, in 21 Kantonen.
78 der 110 Anlagen arbeiten mit TrackMan, dem Radar, das auch die Tour benutzt. 81 bieten Coaching an. Und der Median für eine Stunde liegt bei CHF 50, pro Bay, für bis zu vier Personen. Das ist der zweite Unterschied zur Liga in Florida: Dort spielen 24 Profis, hier kann jeder eine Bay mieten.
Wo die 126 Anlagen stehen
Die 110 Indoor-Anlagen und die 16 Driving Ranges mit Ballflug-Tracking verteilen sich auf 21 Kantone. Zehn davon haben vier oder mehr:
| Kanton | Indoor | Range mit Tracking | Total |
|---|---|---|---|
| Zürich | 25 | 4 | 29 |
| Waadt | 11 | 1 | 12 |
| Wallis | 11 | 1 | 12 |
| Aargau | 9 | 2 | 11 |
| Graubünden | 9 | 1 | 10 |
| Bern | 8 | 1 | 9 |
| St. Gallen | 8 | 0 | 8 |
| Luzern | 5 | 2 | 7 |
| Tessin | 5 | 1 | 6 |
| Solothurn und Zug | 2 und 3 | 2 und 1 | 4 und 4 |
Dazu kommen Freiburg mit drei, Basel-Stadt und Genf mit je zwei sowie Basel-Landschaft, Glarus, Jura, Neuenburg, Schaffhausen, Thurgau und Uri mit je einer Anlage. Fünf Kantone haben keine: Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden, Nidwalden, Obwalden und Schwyz. Wer dort wohnt, findet die nächstgelegene Anlage über die Kantonsübersicht oder direkt auf der Karte, die den Weg in Kilometern nennt.
Was Indoor-Golf inzwischen ist
Drei Dinge haben sich in den letzten Jahren verschoben. Erstens die Technik: Ein Simulator misst heute Ballgeschwindigkeit, Spin und Startwinkel genauer, als es ein Auge je konnte, und Systeme wie TrackMan oder Foresight sind dieselben, mit denen Tour-Spieler ihre Schläger fitten. Zweitens die Software: Pebble Beach, St Andrews und Valderrama liegen in Zürich, Sion und Chur auf der Festplatte, vermessen auf den Meter. Drittens das Publikum: Wer zum Simulator geht, ist immer öfter kein Golfer mit Handicap, sondern jemand, der einen Abend mit Freunden verbringen will und nebenbei entdeckt, dass ihm der Sport gefällt.
Die TGL hat aus diesen drei Dingen ein Fernsehformat gemacht. Die Schweizer Anlagen haben daraus einen Winter gemacht, der keiner mehr ist. Welche Anlage wo steht, zeigt die Karte, und welche jetzt offen ist, die Liste der offenen Anlagen.
Das Format in einer Schweizer Bay
Das Beste an den TGL-Regeln ist, dass sie in jeder Anlage funktionieren, die eine Stunde vermietet. Vier Personen, eine Bay, zwei Teams: Damit ist der Abend fertig organisiert.
- Neun Löcher Wechselschlag. Im Team schlägt abwechselnd, wer dran ist, auch wenn der Vorgänger den Ball in den Bunker gelegt hat. Das ist der Teil, an dem am meisten gelacht wird.
- Sechs Löcher Einzel. Danach spielt jeder gegen einen Gegner, zwei Löcher lang. Wer ein Handicap hat und der Gegner nicht, gibt pro Loch einen Schlag vor; die Software rechnet das auf Wunsch selbst.
- Die Uhr mitlaufen lassen. 40 Sekunden ab dem Moment, in dem der Ball liegt. Ein Telefon auf der Ablage genügt, und eine Stunde reicht plötzlich für alle 15 Löcher.
- Ein Hammer pro Person. Einmal im Abend darf jeder den Wert eines Lochs verdoppeln, bevor geschlagen wird. Mehr braucht es nicht, damit das letzte Loch zählt.
Welcher Platz dabei auf der Leinwand liegt, ist fast egal; ein kurzer Par-3-Kurs macht einen Abend zu viert schneller als St Andrews. Anlagen mit mehreren Bays bieten das oft schon als Turnierabend an, und was ein solcher Abend für eine Firma kostet, steht in Firmenanlass im Golfsimulator, und 81 der 110 Anlagen haben einen Pro im Haus, der eine Liga begleiten könnte. Wer eine Anlage mit mehreren Bays sucht, filtert in der Standortliste.
Mehr dazu: Topgolf in der Schweiz, Indoor Golf in der Schweiz 2026.
Was noch fehlt
Eine Liga. In den USA und in Grossbritannien gibt es Simulator-Ligen, in denen Teams über den Winter gegeneinander spielen, mit Tabellen und Playoffs. In der Schweiz veranstalten einzelne Anlagen Turniere und Ligaabende, aber ein nationales Format, das die 110 Anlagen verbindet, gibt es nicht. Es wäre das Naheliegendste, das der Sport hierzulande noch nicht hat. Wer eines aufbaut, findet die Adressen bei uns.
Was ein Schweizer Format bräuchte, ist keine Halle, sondern eine Einigung: dieselbe Software, dieselben Einstellungen für Wind und Grüngeschwindigkeit, ein Netto-Ergebnis nach Handicap, damit ein Spieler mit 28 gegen einen mit 6 eine Chance hat, und ein Abend pro Woche über den Winter. Die Technik dafür steht längst in den Räumen; 78 der 110 Anlagen arbeiten mit demselben Messsystem.
Solange es das nicht gibt, ist die Liste der Anlagen der Anfang: Wer eine Runde gegen jemanden spielen will, findet die nächste Bay auf der Karte, und wer wissen will, wie viel eine Stunde kostet, auf der Preisübersicht.
Häufige Fragen
Was ist die TGL?
Die Indoor-Golfliga von Tiger Woods und Rory McIlroy mit der PGA Tour: sechs Teams mit Tour-Spielern, gespielt im SoFi Center in Florida auf eine Leinwand und ein echtes Grün, von Dezember bis März.
Wie viele Indoor-Golf-Anlagen gibt es in der Schweiz?
110 Anlagen mit Simulator in 21 Kantonen, dazu 16 Driving Ranges mit Ballflug-Tracking, Stand September 2026. Der Verband Swiss Golf zählt in seiner Statistik 29 Indoor-Anlagen, weil er nur die seiner Clubs führt.
Wer spielt in der TGL?
Unter anderen Tiger Woods, Rory McIlroy, Justin Thomas, Xander Schauffele, Collin Morikawa, Tommy Fleetwood und Ludvig Åberg. Meister 2026 wurde der Los Angeles Golf Club.
Wie funktioniert das Punktesystem der TGL?
Jedes gewonnene Loch bringt einen Punkt, ein geteiltes keinem. Die Löcher 1 bis 9 spielen die Teams im Wechselschlag, die Löcher 10 bis 15 im Einzel. Dreimal pro Partie darf ein Team den Hammer werfen und den Wert eines Lochs um einen Punkt erhöhen; bei Gleichstand entscheiden Chips ans Loch.
Kann ich die TGL-Regeln in einer Schweizer Anlage spielen?
Ja, sie brauchen nichts ausser einer Bay und vier Personen: neun Löcher Wechselschlag, sechs Löcher Einzel, 40 Sekunden pro Schlag und ein Hammer pro Person. Anlagen mit mehreren Bays bieten das oft als Turnierabend an; die Adressen stehen auf der Karte.
Quellen
- Wikipedia: 2026 TGL season (Saison 28. Dezember 2025 bis 25. März 2026, sechs Teams, Los Angeles Golf Club Meister gegen Jupiter Links)
- Wikipedia: TGL (golf league), Format (15 Löcher, Triples und Singles, 40-Sekunden-Uhr, drei Hämmer, Verlängerung)
- The Golf Wire: TGL announces Full Swing to return as official technology partner (Technikpartner der Liga)
- Sports Illustrated: TGL changes its indoor playing field for season 2 (Grün von 3'800 auf 5'270 Quadratfuss, zwölf Lochpositionen)
- TGL: Arena Experiences, SoFi Center (Leinwand von 64 auf 53 Fuss)
- Swiss Golf: Facts & Figures (über 108'000 Golferinnen und Golfer, 98 Clubs, 35 Driving Ranges, 29 Indoor-Anlagen)
- golfsimulators.ch: Indoor Golf in der Schweiz 2026, die Zahlen (110 Indoor-Anlagen und 16 Ranges, jede einzeln recherchiert; Stand 17. September 2026)