26. September 2026 · 6 Min. Lesezeit
Putten im Golfsimulator: warum es sich anders anfühlt
Der Putt ist der einzige Schlag, bei dem die Bay weniger kann als das Grün. Was sie trotzdem gut übt, und wo die Grenze liegt.

Wer zum ersten Mal in einer Bay puttet, merkt es innerhalb von drei Bällen: Es fühlt sich falsch an. Die Bahn rollt nicht, das Loch ist ein Bild an der Wand, und der Ball verschwindet nicht mit dem Geräusch, auf das man wartet. Das hat technische Gründe, und es hat Folgen dafür, was du in der Bay überhaupt üben solltest.
Was das Gerät vom Putt sieht
Ein Launch Monitor liest bei einem Putt die Ballgeschwindigkeit und die Startrichtung, je nach Bauart auch Schlagflächenwinkel, Skid und Roll (Übersicht). Aus diesen Werten rechnet die Software den Rest: den Weg des Balls auf dem virtuellen Grün, das Brechen am Hang und ob er fällt.
Kamerasysteme haben es dabei leichter als Radar. Eine Kamera liest den Ball direkt beim Treffen, ein Radar braucht eine messbare Rollstrecke, bevor es etwas sagen kann. Deshalb lesen günstige Radargeräte Putts oft gar nicht oder unzuverlässig, und deshalb fühlt sich dasselbe Putten in zwei Anlagen verschieden an.
Die Grüngeschwindigkeit ist eine Einstellung
Auf dem Platz misst man sie mit dem Stimpmeter: Eine Rampe lässt den Ball mit 6,00 Fuss pro Sekunde los, und wie weit er rollt, ist die Zahl. Die USGA nennt dafür Richtwerte (Stimpmeter):
| Grüngeschwindigkeit | Alltag | US Open |
|---|---|---|
| langsam | 8 Fuss | 10 Fuss |
| mittel | 10 Fuss | 12 Fuss |
| schnell | 12 Fuss | 14 Fuss |
In der Simulator-Software ist dieselbe Zahl ein Regler, meistens zwischen 8 und 13. Wer ihn auf 12 stellt, übt Putts, die er auf einem Schweizer Clubgrün im Juli selten trifft. Realistisch sind 9 oder 10, und wer die Zahl nicht kennt, sollte sie vor der ersten Runde einmal anschauen.
Zwei Dinge können nie stimmen
Das erste ist das Gefühl. Ein Putt auf einer flachen Matte gibt dem Schläger keinen Widerstand, und der Ball verlässt ihn anders als auf kurz gemähtem Gras. Das zweite ist das Lesen: Die Neigung ist im Bild, nicht unter den Füssen, und die Software zeigt sie oft mit einer Hilfslinie, die es auf dem Platz nicht gibt.
Dazu kommt ein praktisches Problem. Rollt der Ball von einer erhöhten Matte oder über unebenen Boden, verliert das Gerät ihn oder liest ihn falsch. Eine ebene, glatte Puttfläche ist deshalb die Voraussetzung, nicht das Extra.
Wofür die Bay trotzdem taugt
Für die Startrichtung. Wer zehn Putts aus zwei Metern auf eine gerade Linie spielt und sieht, dass acht rechts starten, hat etwas gelernt, was auf dem Grün schwer zu erkennen ist, weil dort das Brechen alles verwischt. Das Gerät trennt beides.
Und für die Länge, in einem engen Rahmen. Wer denselben Regler eine Saison lang nicht anfasst, bekommt eine verlässliche Beziehung zwischen Schwunglänge und Rolldistanz. Die ist auf dem Platz um ein paar Prozent falsch, aber sie ist da.
Wo du auf echten Grüns übst
32 der 110 Indoor-Anlagen im Verzeichnis nennen einen Putting-Bereich neben den Bays, und das ist der bessere Ort für Putts: echtes Rollverhalten, mehrere Löcher, kein Bildschirm. Manche haben Kunstrasen mit gefrästen Wellen, manche einen kleinen echten Rasen.
Auf dem Platz gehört das Übungsgrün zur Anlage, und es ist gratis. Von November bis März ist es zu, und genau dann ist die Frage dieses Beitrags überhaupt eine.
Das Prüfungsziel, das dazu passt
Die Platzreife verlangt neun Putts in höchstens 21 Schlägen (Swiss Golf). Das sind 2,33 Putts pro Loch, und es ist die Disziplin, an der die wenigsten scheitern. Trainieren lässt sie sich in der Bay nur halb: Die Distanzkontrolle ja, das Lesen nicht.
Wer im Winter trainiert, löst das mit einer Puttmatte zu Hause und einer Stunde auf dem Übungsgrün im März. Die Reihenfolge ist wichtig: zuerst die Linie, dann das Lesen, nicht umgekehrt.
Was ein Putt an Zahlen hergibt
Ein gutes Gerät liefert beim Putt Ballgeschwindigkeit, Startrichtung, Schlagflächenwinkel und den Übergang von Rutschen zu Rollen (Übersicht). Davon sind zwei wirklich brauchbar: die Startrichtung, weil sie zeigt, wohin du den Ball schickst, und die Ballgeschwindigkeit, weil sie die Länge bestimmt.
Die dritte, der Schlagflächenwinkel, erklärt die erste. Wer zehn Putts hintereinander rechts startet, hat die Fläche offen und nicht ein Ausrichtungsproblem, und dieser Unterschied ist auf einem Grün kaum zu erkennen, weil dort das Brechen alles überdeckt.
Was die Zahlen über das Putten sagen
Ein Blick in die Amateurdaten: Die Putts pro Runde gehen von 29,4 bei Scratch auf 33,8 bei Handicap 25 (Shot Scope). Das sind vier Schläge Unterschied über 18 Löcher, während bei den Grüns in Regulation 61 gegen 10 Prozent stehen.
Putten ist also nicht die Stelle, an der ein höheres Handicap die meisten Schläge verliert. Es ist aber die Stelle, an der ein Simulator am wenigsten hilft, und beides zusammen ergibt eine klare Reihenfolge: In der Bay das lange Spiel, auf dem Übungsgrün das kurze.
Die Übung, die in jeder Bay funktioniert
Die Leiter. Drei Putts auf zwei Meter, drei auf vier, drei auf sechs, dann wieder zurück. Nicht auf ein Loch, sondern auf eine Linie: Es geht um die Distanz, nicht ums Treffen. Notiere, wie viele in einem Meter um das Ziel liegen bleiben.
Diese Übung braucht keine Neigung und keine Hilfslinie und ist deshalb die einzige, die indoor dasselbe misst wie draussen. Was zu Hause auf einer Matte geht, steht in Putten üben zu Hause.
Nimm deinen eigenen Putter mit
Leihputter unterscheiden sich in Länge, Loft und Gewicht deutlicher als Leiheisen, und beim Putten entscheidet genau das. Wer mit einem fremden Putter zwanzig Bälle schlägt, übt einen Schlag, den er auf dem Platz nie wieder macht.
Der Putter ist ausserdem der einzige Schläger, der nichts wiegt im Vergleich zum Nutzen: Er passt in jede Tasche, und mit ihm wird aus zwanzig Minuten am Ende der Bay-Stunde eine echte Übung statt eines Zeitvertreibs.
Mehr dazu: Golf Putten Regeln, Putter wählen.
Die Einstellung, die den Score rettet
Fast jede Software kennt eine Gimme-Distanz: Putts innerhalb eines gesetzten Radius fallen automatisch. Auf einer Runde mit Freunden ist das sinnvoll, weil es Zeit spart. Wer aber seinen Simulator-Score mit dem Platz vergleicht, muss sie auf null stellen, sonst fehlen pro Runde fünf bis zehn Schläge.
Das ist der häufigste Grund, warum eine Bay-Runde besser ausfällt als dieselbe Runde draussen. Die ganze Liste der Unterschiede steht in Simulator-Score gegen Platz-Score; welche Anlagen einen Putting-Bereich haben, siehst du in der Karte.
Häufige Fragen
Kann man im Golfsimulator putten?
Ja, aber nur halb realistisch. Das Gerät liest Ballgeschwindigkeit und Startrichtung, die Software rechnet den Rollweg auf dem virtuellen Grün. Was fehlt, ist das Gefühl des echten Grüns und das Lesen der Neigung unter den Füssen.
Welche Grüngeschwindigkeit soll ich einstellen?
9 oder 10 auf der Stimp-Skala. Die USGA nennt für den Alltag 8 langsam, 10 mittel und 12 schnell; 12 bis 14 sind US-Open-Werte, die auf einem Schweizer Clubgrün kaum vorkommen. Wichtiger als der Wert ist, ihn eine Saison lang nicht zu ändern.
Warum liest mein Gerät Putts nicht?
Weil Radar eine messbare Rollstrecke braucht, bevor es etwas erkennt. Kamerasysteme lesen den Ball beim Treffen und können Putts deshalb besser erfassen. Günstige Radargeräte lesen Putts oft gar nicht oder unzuverlässig.
Was ist die Gimme-Distanz und soll ich sie nutzen?
Ein Radius, innerhalb dessen Putts automatisch fallen. Für eine Runde mit Freunden sinnvoll, weil sie Zeit spart. Wer seinen Simulator-Score mit dem Platz vergleichen will, stellt sie auf null; sonst fehlen pro Runde fünf bis zehn Schläge.
Wo kann ich indoor auf einem echten Grün putten?
32 der 110 Indoor-Anlagen im Verzeichnis nennen einen Putting-Bereich neben den Bays, teils Kunstrasen mit Wellen, teils echten Rasen. Das ist für Putts der bessere Ort als die Bay, weil der Ball wirklich rollt.
Quellen
- Stimpmeter: Funktion und Richtwerte (6,00 Fuss pro Sekunde, 8 / 10 / 12 Fuss)
- Putten im Simulator: was ein Launch Monitor liest
- Swiss Golf: Reglement Platzreife (PDF) (neun Putts in 21 Schlägen)
- Shot Scope: Traditional Statistics v Strokes Gained (PDF) (Putts pro Runde nach Handicap)