17. September 2026 · 8 Min. Lesezeit
Platzreife in der Schweiz: Ablauf, Prüfung, Kosten und was der Simulator dabei kann
Die Platzreife ist der Eintritt in den Golfsport. Was Swiss Golf verlangt, wie die Prüfung abläuft, was sie kostet, und welche Teile davon du im Winter im Simulator erledigen kannst.

Wer in der Schweiz allein auf einen Golfplatz will, braucht die Platzreife. Sie ist kein Talentnachweis, sondern der Beleg, dass du die Regeln kennst, niemanden gefährdest und den Platz in vernünftigem Tempo spielst. Swiss Golf regelt sie in einem eigenen Reglement. Hier ist, was darin steht, und wie du am schnellsten hinkommst.
Die Theorie
40 Fragen zu Regeln und Etikette, 28 davon müssen richtig sein; geprüft wird sie von einer Person, die der Club dazu bestimmt. Viele Clubs und Golfschulen bieten den Theorieteil online an, der Zugang kostet dort meist CHF 99 und ist mehrere Monate gültig. Die Fragen sind nicht schwer, aber es gibt Regeln, die man nicht erraten kann: Wo darfst du droppen, wann ist ein Ball im Aus, was zählt als Spielverzögerung. Ein Wochenende mit dem Regelbuch reicht.
Die Prüfung auf der Übungsanlage
Zwischen Theorie und Platz liegt der Teil, den die wenigsten kennen, obwohl er der einzige mit klaren Zahlen ist. Ein Swiss PGA Pro prüft dich auf der Übungsanlage, also auf Driving Range, Chipping- und Putting-Grün, und trägt die Resultate auf einer Prüfungskarte ein. Das kann in einer Stunde oder über mehrere Etappen geschehen. Sechs Disziplinen, jede mit sechs Bällen:
| Disziplin | Aufgabe | Ziel |
|---|---|---|
| Abschläge | 6 Bälle vom Tee | 3 von 6 im Flug über 80 m (Männer) oder 70 m (Frauen) |
| Langes Spiel | 6 Bälle mit Holz, Hybrid oder mittlerem Eisen | 3 von 6 im Flug über 60 m |
| Pitchen | 6 Bälle aus 15 bis 18 m | 2 von 6 in einem Kreis mit 6 m Radius |
| Chippen | 6 Bälle aus 10 bis 12 m | 2 von 6 in einem Kreis mit 4 m Radius |
| Bunker | 6 Bälle aus dem Sand | 2 von 6 bleiben auf dem Grün liegen |
| Putten | 9 Löcher: 3 × 3 m, 3 × 6 m, 3 × 9 m | höchstens 21 Schläge mit einem Ball |
Das ist die ganze Hürde, und sie ist niedriger, als der Respekt vor ihr vermuten lässt: 80 Meter Carry mit dem Driver schafft fast jeder nach ein paar Lektionen, und beim Putten sind 21 Schläge auf neun Löcher gut zwei pro Loch. Was die Zahlen wertvoll macht, ist etwas anderes: Sie sind messbar, und genau das kann ein Simulator.
Die Prüfung auf dem Platz
Den Teil auf dem Platz nimmt in der Regel ein Swiss PGA Professional ab. Beurteilt werden die Etikette mit Sicherheit, Rücksicht, Pace of Play, Vorrecht und Schonung des Platzes, das Spiel selbst mit Abschlägen, langem Spiel, Pitchen, Chippen, Bunker und Putten, und ob du die Scorekarte korrekt ausfüllst und in Stableford-Punkte umrechnest. Der Experte vergleicht dein Verhalten mit diesen Zielsetzungen und entscheidet. Gespielt wird auf einem von Swiss Golf homologierten Platz, auf einem 6- bis 9-Loch-Platz oder auf einer Pitch-&-Putt-Anlage; einzelne Clubs stellen zusätzliche Bedingungen, und die stehen auf ihrer Website.
Danach kommt das Spielniveau für dein erstes Handicap: Es genügt ein Resultat von 36 Stableford-Punkten über 18 Loch oder 18 Punkten über 9 Loch. Das klingt nach mehr, als es ist. Gerechnet wird mit Handicap 54, also drei Vorgabeschlägen auf jedem Loch. 36 Punkte heisst im Schnitt ein Triple-Bogey pro Loch, und Stableford verzeiht die schlechten Löcher: Was schlechter ist als Netto-Doppelbogey, zählt einfach null und zieht nichts ab. Eine Runde, in der du den Ball vorwärts bewegst und auf den Grüns keine Dreiputts sammelst, reicht.
36 Punkte, nachgerechnet
Stableford zählt nicht Schläge, sondern Punkte pro Loch, gemessen am Netto-Ergebnis nach deinen Vorgabeschlägen:
| Netto-Ergebnis | Punkte | Auf einem Par 4 mit Handicap 54 |
|---|---|---|
| Netto-Doppelbogey oder schlechter | 0 | 9 Schläge und mehr |
| Netto-Bogey | 1 | 8 Schläge |
| Netto-Par | 2 | 7 Schläge |
| Netto-Birdie | 3 | 6 Schläge |
| Netto-Eagle | 4 | 5 Schläge |
Mit Handicap 54 bekommst du auf jedem Loch drei Schläge. Zwei Punkte pro Loch, achtzehnmal, sind die geforderten 36, und zwei Punkte heisst auf einem Par 4 schlicht: sieben Schläge. Ein Loch, das völlig danebengeht, kostet dich null Punkte, aber es zieht nichts ab. Deshalb ist die Runde zur Platzreife kein Kampf um jeden Schlag, sondern eine Übung im Weitergehen.
Was es kostet
Die Theorie CHF 99. Der Unterricht ist der grosse Posten: Eine Einzellektion von 50 Minuten liegt bei rund CHF 160, ein Zwölferpaket bei rund CHF 1'680; die meisten brauchen fünf bis fünfzehn Lektionen. Die Zahlen stammen von der Zürcher Golfschule FIT4PAR; Gruppenkurse an Clubs und Golfparks sind günstiger. Dazu kommen die Prüfungsgebühr des Clubs, die Greenfees für die Übungsrunden und später die Lizenz. Was das im Ganzen bedeutet, steht in unserem Beitrag Was kostet Golf in der Schweiz.
Wo der Simulator hilft
Vier der sechs Disziplinen auf der Übungsanlage kannst du indoor trainieren: Abschlag, langes Spiel, Pitchen und Chippen. Die Etikette lernst du nur auf dem Platz. Aber der Schwung ist der Teil, der Monate dauert, und der Simulator verkürzt ihn aus drei Gründen.
Erstens die Zahlen. Ein Launch Monitor zeigt nach jedem Schlag, was der Ball tut und warum: Schlägerkopfgeschwindigkeit, Angriffswinkel, Schlagflächenstellung, Spin. Ein Pro sieht damit in einer Lektion, was er auf der Range in drei erahnt. Zweitens die Wiederholung. Du kannst 60 Schläge mit dem 7er-Eisen unter identischen Bedingungen machen, ohne Bälle zu suchen. Drittens der Winter. Die Platzreife braucht Wochen; wer im November anfängt, steht im April mit fertigem Schwung auf dem Platz und braucht nur noch die Runde.
81 der 110 Indoor-Anlagen in der Schweiz bieten Coaching an, viele davon mit Swiss PGA Pros, die auch die Prüfung abnehmen dürfen. Welche das in deiner Nähe sind, zeigt die Trainingsseite.
Die Prüfungsziele vorher selbst messen
Vier der sechs Disziplinen auf der Übungsanlage sind Zahlen, die jeder Launch Monitor ausgibt. Du kannst also vor der Prüfung wissen, ob du sie bestehst, statt es zu hoffen. Eine Stunde in einer Bay genügt:
- Abschlag. Sechs Bälle mit dem Driver oder dem Holz, und auf dem Bildschirm steht der Carry jedes einzelnen. Drei müssen über 80 Meter fliegen, bei Frauen über 70. Achte auf die Spalte Carry, nicht auf die Gesamtlänge.
- Langes Spiel. Dieselben sechs Bälle mit einem mittleren Eisen, drei davon über 60 Meter Carry.
- Pitchen. Ziel auf 15 bis 18 Meter stellen und sechs Bälle schlagen. Die Software zeigt die Abweichung zum Ziel; zwei Bälle müssen innerhalb von 6 Metern liegen.
- Chippen. Dasselbe aus 10 bis 12 Metern, zwei Bälle innerhalb von 4 Metern.
Wer das dreimal an drei Abenden schafft, besteht diesen Teil auch vor einem Pro. Bunker und Putten bleiben draussen: Sand hat keine Bay, und ein 9-Meter-Putt auf einer Matte sagt nichts über ein echtes Grün. Eine Anlage in deiner Nähe findest du über die Karte, und die Stunde kostet im Median CHF 50 für die ganze Bay.
Was der Simulator nicht kann
Er kann dich nicht lehren, wie ein Ball im Rough liegt, wie ein Bunker sich anfühlt und was du tust, wenn die Gruppe hinter dir wartet. Der Bunker ist eine eigene Prüfungsdisziplin, und die Etikette ist die erste überhaupt. Plane deshalb mindestens zwei, drei Runden auf einem Kurzplatz mit einem erfahrenen Spieler ein, bevor du zur Prüfung gehst. Die Platzreife testet Golf, nicht den Schwung. Die Regeln im Sand und das Prüfungsziel stehen in Aus dem Bunker.
Nach der Prüfung: Lizenz und erstes Handicap
Die bestandene Platzreife ist ein Ausweis, aber noch kein Handicap. Das erste bekommst du über eine unterschriebene Scorekarte: Wurde die Prüfung auf einem von Swiss Golf homologierten Platz über 9 oder 18 Loch gespielt, zählt genau diese Karte. Sonst schreibst du eine EDS-Karte oder spielst ein Turnier, und der Zähler, der unterschreibt, muss selbst ein EGA-Handicap von mindestens 36 haben.
Anerkannt wird das Resultat, sobald du eine Swiss Golf Lizenz hast, über einen Club oder über eine der beiden Public-Golf-Organisationen, ASGI und Migros GolfCard. Welche was kostet, steht in Golf ohne Platzreife und ohne Mitgliedschaft. Berechnet wird das erste Handicap aus den Netto-Stableford-Punkten, und es beträgt 54 oder besser.
Mehr dazu: Platzreifekurse im Preisvergleich, Platzreife nicht bestanden.
Der Weg in fünf Schritten
- Theorie kaufen und in zwei Wochenenden durcharbeiten: 40 Fragen, 28 müssen sitzen.
- Fünf bis zehn Lektionen beim Pro, im Winter gern im Simulator.
- Dazwischen allein üben: einmal pro Woche eine Stunde, mit Ziel, und einmal im Monat die vier messbaren Prüfungsziele durchspielen.
- Bunker und lange Putts auf einer echten Anlage üben, zwei- bis dreimal.
- Zwei bis drei Übungsrunden auf einem 9-Loch- oder Kurzplatz in Begleitung.
- Prüfung auf der Übungsanlage und auf dem Platz, danach die Lizenz über Club, Migros GolfCard oder ASGI.
Das Handicap 54, das du danach bekommst, ist die Startlinie, nicht das Ziel. Aber es öffnet jeden Platz im Land.
Häufige Fragen
Wie viele Stableford-Punkte brauche ich für die Platzreife?
36 Punkte über 18 Loch oder 18 Punkte über 9 Loch, gerechnet mit Handicap 54. Das entspricht im Schnitt einem Triple-Bogey pro Loch.
Kann ich die Platzreife im Simulator machen?
Den Schwung und fünf der zehn Prüfungskriterien ja, die Prüfung selbst nicht: Etikette, Spieltempo und das Spiel auf dem Platz nimmt ein Swiss PGA Professional draussen ab.
Wie lange gilt die Online-Theorie?
Bei den gängigen Anbietern ist der Zugang mehrere Monate gültig, bei FIT4PAR sechs Monate, und die Prüfung hat 40 Fragen, von denen 28 richtig sein müssen.
Was muss ich bei der Platzreife auf der Übungsanlage schaffen?
Sechs Disziplinen mit je sechs Bällen: 3 von 6 Abschlägen über 80 m Carry (Frauen 70 m), 3 von 6 mit Holz oder mittlerem Eisen über 60 m, 2 von 6 Pitches aus 15 bis 18 m in einen 6-Meter-Kreis, 2 von 6 Chips aus 10 bis 12 m in einen 4-Meter-Kreis, 2 von 6 Bällen aus dem Bunker aufs Grün und neun Putts aus 3, 6 und 9 Metern mit höchstens 21 Schlägen.
Wo darf die Platzreife-Prüfung stattfinden?
Nach bestandener Theorie und dem Teil auf der Übungsanlage auf einem von Swiss Golf homologierten Platz, auf einem 6- bis 9-Loch-Platz oder auf einer Pitch-&-Putt-Anlage. Wurde sie über 9 oder 18 Loch auf einem homologierten Platz gespielt, zählt die unterschriebene Scorekarte gleich als erstes Handicap-Resultat.
Quellen
- Swiss Golf: Reglement Platzreife (PDF) (Theorie 40 Fragen, 28 richtig; zehn Kriterien, acht erfüllt; 36 Stableford-Punkte über 18 Loch oder 18 über 9)
- FIT4PAR: Platzreife in der Schweiz (Preise für Theorie und Unterricht, Stand 2026)
- golfsimulators.ch: Indoor-Golf-Training (81 Anlagen mit Coaching, Stand 17. September 2026)