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26. September 2026 · 7 Min. Lesezeit

Ist Golf ein teures Hobby? Die Rechnung für die Schweiz, ehrlich aufgestellt

Der Ruf stammt aus einer Zeit, in der es nur einen Weg gab. Heute gibt es drei, und sie unterscheiden sich um den Faktor acht. Die Rechnung, Posten für Posten.

Ist Golf ein teures Hobby? Die Rechnung für die Schweiz, ehrlich aufgestellt — Beitragsbild

Golf gilt als teuer, und die Frage ist berechtigt. Die Antwort hängt davon ab, welchen der drei Wege du gehst, und die unterscheiden sich um den Faktor acht: zwischen rund CHF 600 und über CHF 5'000 im Jahr. Hier steht, woher der Ruf kommt, was davon heute noch stimmt und welche Posten wirklich ins Gewicht fallen.

Woher der Ruf kommt

Aus der Eintrittsgebühr. Ein Clubbeitritt in der Schweiz kostet einmalig mehrere tausend Franken: Der Golf Club Davos nennt CHF 15'000 ab 33 Jahren und CHF 9'000 für 22- bis 32-Jährige (golf-davos.ch), der Golfclub Erlen CHF 4'000 bis 6'000 je nach Alter (erlengolf.ch). Wer Golf so kennenlernt, hält es zu Recht für teuer.

Nur ist dieser Weg seit Jahren nicht mehr der einzige und auch nicht mehr der häufigste Einstieg. 47'177 der 108'543 Schweizer Lizenzen laufen über die beiden Public Golf Organisationen, also 43 Prozent, und die verlangen keine Eintrittsgebühr. Der Ruf hinkt der Wirklichkeit hinterher.

Die drei Wege, mit Zahlen

WegEinmaligPro JahrWas du dafür bekommst
Nur Simulatornichtsrund CHF 600zwei Abende im Monat, zu zweit
Clubfrei mit LizenzPlatzreife rund CHF 1'400CHF 2'000 bis 3'000Lizenz, zwanzig Runden, Unterricht
ClubmitgliedCHF 4'000 bis 15'000CHF 1'500 bis 2'900Heimatplatz, Turniere, Startzeiten

Die Jahresbeiträge stammen von publizierten Clubtarifen: Davos nennt CHF 1'500 für Einzelmitglieder, Erlen CHF 2'900 für das Einzelmitglied und CHF 2'300 für das Wochenmitglied, das nur von Montag bis Freitag spielt. Die Zahlen für den clubfreien Weg stehen in Was kostet Golf im Monat.

Was wirklich ins Gewicht fällt

Das Greenfee, nicht die Lizenz. Zwanzig Runden zu CHF 90 sind CHF 1'800, also mehr als jede Jahreskarte. Und wer ohne Club spielt, zahlt auf manchen Plätzen einen Aufschlag: Im Golfclub Wylihof kostet dieselbe Runde unter der Woche CHF 120 für ein Clubmitglied und CHF 180 über ASGI oder Migros GolfCard (golfclub.ch).

Der Unterricht, nicht die Ausrüstung. Fünf bis fünfzehn Lektionen bis zur Platzreife kosten bei CHF 120 für 50 Minuten zwischen CHF 600 und 1'800 (Migros Golf Academy). Das ist gut angelegtes Geld und trotzdem der zweitgrösste Posten im ersten Jahr.

Nicht die Schläger. Ein gebrauchter Halbsatz genügt für zwei Saisons, und Leihschläger gibt es in fast jeder Indoor-Anlage und jeder Golfschule. Wer zuerst kauft und dann lernt, kauft meistens zweimal.

Der billigste ehrliche Einstieg

Zwei Simulator-Abende im Monat, zu zweit gebucht: im Median CHF 50 pro Bay, also CHF 25 pro Person und Abend, macht CHF 600 im Jahr. Dafür brauchst du keine Platzreife, keine Lizenz und keine eigenen Schläger. Zu viert sinkt derselbe Abend auf CHF 12.50 pro Kopf.

Das ist kein Kompromiss-Golf, sondern der Teil des Sports, der überhaupt keine Voraussetzungen hat. 110 Indoor-Anlagen in 21 Kantonen vermieten stundenweise an alle; wo sie stehen, zeigt die Karte.

Die Posten, die in keiner Liste stehen

Vier Ausgaben tauchen in keinem Prospekt auf und in jeder Abrechnung. Die Fahrt: Zwanzig Runden auf einem Platz eine halbe Stunde entfernt sind zwanzig Stunden im Auto und der Sprit dazu. Das Clubhaus: Ein Kaffee nach neun Löchern und ein Essen nach achtzehn gehören für viele zur Runde, und sie kosten über eine Saison mehr als die Lizenz. Die Turniergebühren, wenn du handicapwirksam spielen willst, was mit angemeldeten Privatrunden allerdings gratis geht. Und der Ersatz: Griffe, Schuhe, Handschuhe und alle paar Jahre ein Schläger.

Zusammen sind das keine Kleinbeträge, aber sie verhalten sich anders als die grossen Posten: Sie steigen mit der Zahl der Runden und nicht mit dem Status. Wer viel spielt, zahlt hier mehr und rechnet sich zugleich in die Nähe des Clubs.

Wie eine Familie rechnet

Bei beiden Public Golf Organisationen zahlen Kinder unter 18 für die Lizenz nichts. Eine Familie mit zwei Kindern kostet damit so viel wie zwei Erwachsene, also CHF 600 im Jahr mit der Migros GolfCard, dazu die Greenfees, die für Junioren fast überall reduziert sind.

In den Clubs sieht es ähnlich aus: Der Golfclub Erlen nennt für Junioren von 15 bis 21 Jahren CHF 500 im Jahr und für Kinder unter 14 CHF 200, in beiden Fällen ohne Eintrittsgebühr (erlengolf.ch). Golf ist für Kinder in der Schweiz damit billiger als die meisten Hallensportarten mit Trainingsbetrieb, und die Anlage ist im Winter dieselbe wie für Erwachsene: eine Bay, deren Preis pro Raum gilt und nicht pro Kopf.

Drei Jahre, drei Budgets

JahrWas du tustUngefähr
Erstes JahrSimulator, ein paar Lektionen, Theorie und PlatzreifeCHF 1'500 bis 2'500
Zweites JahrLizenz, zwanzig Runden, Winter in der BayCHF 2'500 bis 3'300
Drittes Jahrentweder gleich weiter oder Clubbeitrittgleich, oder plus Eintrittsgebühr

Die Reihenfolge ist der eigentliche Rat. Wer im dritten Jahr in einen Club eintritt, weiss, wie oft er spielt, welcher Platz ihm liegt und ob er Turniere will. Wer im ersten Jahr eintritt, zahlt eine Eintrittsgebühr für eine Gewohnheit, die er noch nicht hat, und genau daraus entsteht der Eindruck, Golf sei teuer.

Was du im ersten Jahr weglassen kannst

Den neuen Schlägersatz, die Golfschuhe, den Entfernungsmesser, die Vereinsmitgliedschaft und die Golfreise. Keines davon macht dich besser, und vier davon kosten zusammen mehr als alle Lektionen, die du in diesem Jahr nötig hättest.

Was du nicht weglassen solltest, ist der Unterricht. Eine Stunde beim Pro ersetzt zehn Stunden Herumprobieren, und im Winter kostet sie im Simulator dasselbe wie im Sommer auf der Range, bei besseren Zahlen. Wie viele Lektionen es realistisch braucht, steht in Wie lange es dauert, Golf zu lernen.

Wo Golf tatsächlich teuer wird

An drei Stellen, und alle drei sind freiwillig. Beim Clubbeitritt mit Eintrittsgebühr, wenn man ihn vor der ersten Saison macht statt nach der dritten. Beim Material, wenn ein neuer Driver eine Schwungstunde ersetzen soll. Und bei den Golfferien, die mit dem Sport selbst wenig zu tun haben und mit jedem anderen Hobby vergleichbar sind.

Wer diese drei auslässt, spielt in der Schweiz für weniger als viele Fitnessabos. Wer alle drei nimmt, gibt mehr aus als für ein Auto im Jahr. Beides ist Golf, und dazwischen liegt eine Entscheidung, keine Notwendigkeit.

Mehr dazu: Indoor Golf Preise nach Kanton.

Die Antwort in einem Satz

Golf ist kein teures Hobby, sondern ein Hobby mit einer sehr teuren Variante. Der Einstieg kostet heute so viel wie ein Skitag pro Monat, und der teure Teil beginnt erst dort, wo du ihn beginnen lässt.

Was der Reihe nach anfällt, steht in Was kostet Golf in der Schweiz; welche Lizenz sich rechnet, in ASGI, Migros GolfCard oder Club; und was eine Runde als Gast kostet, in Was ein Greenfee in der Schweiz kostet.

Häufige Fragen

Ist Golf in der Schweiz teuer?

Es kommt auf den Weg an. Nur Simulator kostet rund CHF 600 im Jahr, clubfrei mit Lizenz und zwanzig Runden CHF 2'000 bis 3'000, und eine Clubmitgliedschaft CHF 1'500 bis 2'900 im Jahr plus eine einmalige Eintrittsgebühr von CHF 4'000 bis 15'000.

Was ist der teuerste Posten im Golf?

Bei Clubmitgliedern die Eintrittsgebühr, bei allen anderen die Greenfees. Zwanzig Runden zu CHF 90 sind CHF 1'800 im Jahr, mehr als jede Jahreslizenz. Die Ausrüstung ist der kleinste Posten, weil ein gebrauchter Halbsatz zwei Saisons hält.

Wie fängt man am günstigsten mit Golf an?

Mit einer Stunde im Simulator. Keine Platzreife, keine Lizenz, keine eigenen Schläger: Die Bay kostet im Median CHF 50 pro Stunde für bis zu vier Personen. Zwei Abende im Monat zu zweit sind CHF 600 im Jahr.

Warum gilt Golf als Sport für Reiche?

Wegen der Eintrittsgebühren der Clubs, die es weiterhin gibt. Sie betreffen aber nur einen Teil der Spielerinnen und Spieler: 43 Prozent aller Schweizer Lizenzen laufen über ASGI und Migros GolfCard, die keine Eintrittsgebühr verlangen.

Lohnt sich eine Clubmitgliedschaft finanziell?

Ab etwa 14 Runden im Jahr, wenn man nur den Jahresbeitrag rechnet, und ab rund 30 Runden, wenn man eine Eintrittsgebühr von CHF 15'000 auf zehn Jahre verteilt. Wer weniger spielt, fährt clubfrei günstiger.

Quellen